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Quarantäne nach Ebola-Fall: 21 Tage Gefängnis im Eigenheim

Haushalte, die einen bestätigten Ebola-Fall zu verzeichnen haben, dürfen 21 Tage lang nicht ihr Haus verlassen. So lange ist die Inkubationszeit von Ebola. Erst, wenn nach 21 Tagen keine weiteren Haushaltsmitglieder krank geworden sind, können alle aufatmen.

Ich möchte, dass Du Dir das vorstellst. 21 Tage lang im Haus. Tag und Nacht. Mit der ganzen Familie, meist auf engem Raum. Das Haus wird mit einem roten Band markiert, diese Linie darf niemand übertreten, weder von der einen, noch von der anderen Seite.

Frau die 21 Tage in Haushaltsquarantaene leben muss, nachdem sich ein Mitbewohner mit Ebola infiziert hat. By User:JuliaBroska [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
Frau die 21 Tage in Haushaltsquarantaene leben muss, nachdem sich ein Mitbewohner mit Ebola infiziert hat.
By User:JuliaBroska [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
  • Was isst Du?
  • Was trinkst Du?
  • Wie kaufst Du Kaffee, Zigaretten, Telefonkarten?
  • Wo holst Du Wasser zum Wäsche waschen?
  • Wo bekommst Du Holzkohle zum Kochen?
  • Und vor allem – Wie kannst Du Deinen Lebensunterhalt verdienen?

Am Anfang der Ebola-Epidemie war es die Regierungsstrategie, ganze Dörfer unter Quarantäne zu stellen.

Auch die Regierungen sind aktiv geworden. Mit Hilfe des Militärs und der Polizei werden Sicherheitsbestimmungen durchgesetzt. Die Zentren der Epidemie, auch ganze Städte, in Sierra Leone zum Beispiel Kenema und Kailahun, wurden abgeriegelt. Verlassen und Betreten der unter Quarantäne gestellten Orte ist nicht möglich. Angehörige, die Kontakt mit Infizierten hatten, werden unter Hausarrest gestellt.

Die Dörfer wurden nach außen hin komplett abgeriegelt, die Dorfbewohner konnten sich aber innerhalb des Dorfes frei bewegen. Das Ergebnis: Eine extrem hohe Infektionsrate innerhalb ganzer Dorfgemeinschaften. Ein einziger Ebolafall konnte den Tod von zweistelligen Prozentzahlen der Dorfbevölkerung nach sich ziehen. Siehe ZDF Video:

Kinder
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2282232/Ebola:-Ein-ganzes-Dorf-in-Quarant%C3%A4ne
. (Bild via zdf.de)

Die Welthungerhilfe hat von Anfang an dagegen gehalten und für Haushalts-Quarantäne geworben. Der Vorteil: Die kleine Gruppe von tatsächlichen Kontaktpersonen kann nicht das ganze Dorf anstecken. Der Nachteil: Es ist sehr viel aufwändiger, einzelne Haushalte zu identifizieren und abzuriegeln, als einfach die Zufahrt zu einem ganzen Dorf zu versperren. Trotzdem, anders geht es nicht.

Wir bringen den Familien in Quarantäne jede Woche ein Paket mit Essen, Trinkwasser und Hygieneprodukten. Was sonst benötigt wird, müssen Nachbarn beschaffen, die wesentlich Anteil haben am erfolgreichen gelingen der Quarantäne. Geld und Waren werden auf die rote Linie gelegt, die Menschen treten 3 m von der Linie zurück, dann übernimmt der jeweils andere Part. Manchmal frage ich mich, wie das eigentlich in Deutschland wäre. Amazon würde wahrscheinlich das Geschäft des Jahrtausends machen…

Aber Menschen brauchen mehr zu Leben als nur Nahrung und Wasser. Menschen sind soziale Wesen. Menschen brauchen Aufgaben, Beschäftigung. Menschen brauchen Trost nach dem Verlust naher Angehöriger. Eine Perspektive. Hoffnung.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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