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Ebola zieht Teenager Schwangerschaften in Port Loko District – Sierra Leone – hinter sich her

Am Freitag las sich das Cover der Standard Times, einer Sierra Leonischen Tageszeitung, folgendermaßen: „Teenage pregnancy ruins Port Loko district“. Auf Deutsch: Teenager-Schwangerschaften ruinieren den Distrikt Port Loko. Klingt erst mal nicht so, als hätte es irgendwas mit Ebola zu tun. Aber zu meinem Entsetzen musste ich folgendes lesen (frei übersetzt aus dem Zeitungsartikel):

„Es ist eine Tatsache, dass der Ebola-Ausbruch in Sierra Leone nicht nur die sozio-ökomische Struktur unserer Ortschaften ruiniert, sondern auch Mädchen in ländlichen Gemeinden in eine Umgebung gebracht hat, die Kinderrechtsverletzungen und Missbrauch fördert. In einem Dorf in Port Loko sind mehr als 80% der minderjährigen, jugendlichen Mädchen, die aufgrund der Ebola-Epidemie nicht mehr zur Schule gehen, geschwängert worden.“

original Zeitungsartikel ueber teenager Schwangerschaft
Durch anklicken des Fotos, kann der original Zeitungsartikel in groß gesehen werden.

Weiter im Artikel ist zu lesen, dass fast alle Mädchen des Dorfes von Kollegen, Bauern und Händlern sexuell missbraucht wurden. Dies geschah scheinbar teilweise mit Einverständnis der Eltern, die auf die Hilfe von Männern angewiesen sind, um die Felder zu bestellen. Laut Artikel wird Bildung für Mädchen nicht hoch geachtet und die Eltern versuchen die Feldarbeiter durch ihre Töchter an den Betrieb zu binden.

Ich muss ehrlich sagen, dass mich dieser Artikel ziemlich geschockt hat. Ich hatte schon darüber nachgedacht, wie hoch wohl der volkswirtschaftliche Schaden sein mag, da seit Monaten Schulen und Universitäten gleichermaßen geschlossen sind. Aber nie war mir in den Sinn gekommen, dass Ebola einen rasanten Anstieg von Kindesmissbrauch nach sich ziehen könnte. Alle Kinder müssen zu hause bleiben. Sie haben keine Beschäftigung. Eltern und Verwandte müssen sich natürlich weiterhin um den Lebensunterhalt kümmern und so bleiben Kinder oft ohne Aufsicht oder Schutz. Seit einiger Zeit gibt es immerhin einen Schulunterrichts-Radiosender.

Eines ist klar: Ebola wird enorme Langzeitfolgen für Liberia und Sierra Leone haben. Ich glaube, das Ausmaß ist im Moment noch nicht abzusehen. Die Welthungerhilfe hat bereits eine Studie zu den nicht-medizinischen Folgen der Ebola-Epidemie veröffentlicht, sich dabei aber hauptsächlich auf wirtschaftliche Themen, speziell Ernährungssicherung, konzentriert. Dieser wurdebereits von der Tagesschau in einem Kommentar aufgegriffen. Die sozialen Folgen sind aus meiner Sicht momentan unüberschaubar, sollten aber nicht vernachlaessigt werden.

Dieser Artikel ist auch in Englisch verfügbar.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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