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Trotz Ebola: Schulen öffnen wieder

Seit dem 14. April haben die Schulen in Sierra Leone wieder geöffnet. Zum ersten Mal seit meiner Einreise im November sehe ich haufenweise Kinder in Schuluniformen – grüne, blaue, gelbe – auf dem morgendlichen Weg zur Arbeit. Landesweit sind es laut Medienberichten 1,7 Millionen – also ca. 35% der Bevölkerung.

Ich habe mich ein bisschen mit meinen nationalen Kollegen unterhalten, die fast alle Eltern sind, um herauszufinden, wie genau der „Ebola-sichere“ Schulbesuch abgewickelt wird. Pro Schule wurden 3 Personen – meist Hilfspersonal wie Reinigungskräfte oder Wächter – darin geschult, die Temperatur zu messen und Chlorlösung für’s Händewaschen fertig zu mischen. Jeden Morgen gibt es also dieselbe Prozedur wie an unserer Büropforte: Thermometer an die Schläfe und Hände unters Wasser.

SchuleGrundschul-Eingang in John Obey.

Wenn ein Kind mit einer erhöhten Temperatur gemessen wird, kommt es in einen speziellen Isolations-Raum zur Beobachtung. Erhärtet sich der Verdacht auf Ebola, wird der Ebola-Notruf 117 gerufen. Bisher kam das allerdings noch nicht vor, was ein sehr gutes Zeichen ist. Ich habe gehört, dass es in Makeni (der Provinzhauptstadt von Bombali) 2 Isolations-Fälle gab, die sich dann allerdings glücklicherweise bald als harmlos herausgestellt haben.

Eigentlich geht das Schuljahr in Sierra Leone von September bis ca. Juni / Juli. In der Regenzeit sind Ferien. Da jetzt aber ca. 2/3 des Schuljahres bereits ausgefallen sind, wurde, zumindest wurde mir das so erzählt, das Schuljahr jetzt verschoben. Es soll von April bis Dezember dauern. Außerdem hat die Regierung verkündet, dass für 2 Jahre die Schulgebühren ausgesetzt werden sollen – als Anreiz, damit wirklich alle Kinder wieder zurück zur Schule gehen. Ich hoffe, diese Entscheidung geht nicht zu Lasten von Zahl oder Höhe der Lehrer-Gehälter oder der Schulausstattung…

Natürlich habe ich meine Kollegen auch gefragt, ob sich ihre Kinder auf die Schule gefreut haben: Alle haben mir ein klares JA geantwortet. Ihren Kindern sei es zuhause wahnsinnig langweilig gewesen. Verständlich, nach fast 8 Monaten zuhause.

Die Welthungerhilfe hat die Wiedereröffnung der Schulen in Freetown mit der Bereitstellung von Handwaschstationen, Chlor und Seife unterstützt.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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