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Ebola Opfer sicher und würdevoll bestatten

Viel hört man dieser Tage in Sierra Leone von sogenannten „sicheren und würdevollen“ Bestattungen für Ebola-Opfer. Aber was genau verbirgt sich dahinter?

Zunächst einmal: Wie laufen Beerdigungen eigentlich normalerweise in Sierra Leone ab? Das ist natürlich je nach Religionszugehörigkeit unterschiedlich. Die Mehrzahl der Menschen gehört dem Islam an, die zweitgrößte Gruppe bilden Christen. Gemeinsam ist aber allen, dass die Verabschiedung von Verstorbenen im Familienkreis geschieht und das Waschen des Toten vorsieht. Dieses Waschen wird als wesentlicher Bestandteil einer würdevollen Bestattung wahrgenommen.

Zu Beginn der Ebola-Krise stellte man die Sicherheit radikal über die Befindlichkeiten der lokalen Bevölkerung. Starben Ebola-Kranke in Behandlungszentren, wurden sie direkt zwei Lagen Plastik verpackt und beerdigt – die Familie wurde telefonisch informiert, nachdem alles schon passiert war. Die Angehörigen hatten keine Chance mehr, ihre Lieben zu sehen. Eine traumatische Erfahrung.

Mittlerweile hat man hier nachgebessert. Vor allem IFRC hat das Konzept der „sicheren und würdevollen“ Bestattung entwickelt und führt diese Bestattungen in weiten Teilen des Landes durch. Stirbt ein Patient oder wird er tot vorgefunden, wird er, es geht leider nicht anders, ebenfalls in zwei Lagen Plastik verpackt. Dann aber findet eine Bestattung statt, bei der ein Priester / Iman und die Angehörigen anwesend sein dürfen. Sie müssen einen Sicherheitsabstand von 5m einhalten und sehen den Angehörigen auch nur, nachdem er schon verpackt wurde. Aber immerhin sind sie dabei, wenn er vergraben wird. Gemeinsam für Afrika schreibt dazu folgendes:

Noch vor ein paar Monaten kam es in Sierra Leone bei solchen Gelegenheiten zu chaotischen Szenen. Viele Verwandte wollten ihre Ebola-Toten nicht einfach in Plastiksäcke stecken und wegbringen lassen. Immer wieder kam die Polizei mit Tränengas. Inzwischen zeigt die flächendeckende Aufklärungsarbeit über Ebola via Radio, Straßentheater, Haus-zu-Haus-Besuchen und Plakatkampagnen mehr und mehr Wirkung. Die Menschen sind zunehmend bereit, sich helfen zu lassen. Hilfsangebote wie die Trauerhelfer geben ihnen die Möglichkeit, an ihre Traditionen anzuknüpfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Informationen über das Angebot werden unter anderem über die Distriktverwaltungen und deren Gesundheitsteams verbreitet.

Trotzdem gehen die Meinungen auseinander, ob es sich hier um eine „würdevolle“ Bestattung handelt. Es herrscht ein großer sozialer Druck in den Gemeinden: Wenn eine Ehefrau ihren verstorbenen Gatten oder ihre verstorbenen Kinder nicht lautstark betrauert, sie umarmt und wäscht, dann wird schlecht über sie geredet. Trauer muss öffentlich zelebriert werden, möchte man nicht seinen Ruf als treusorgendes Familienmitglied verlieren.

Solche tief sitzenden Verhaltensweisen lassen sich einfach nicht von heute auf morgen ändern, auch wenn man noch so lange an die Vernunft der Menschen appelliert. Mittlerweile hat sogar der Präsident des Landes per Fernseh-Ansprache dazu aufgerufen, die Traditionen ruhen zu lassen und erst nach der Ebola-Epidemie wieder in den Alltag zu integrieren. Leider kommen mir trotzdem auf nahezu täglicher Basis Fälle zu Ohren, in denen Tote gewaschen wurden.

Dieser Artikel ist auch auf Englisch verfügbar

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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