Schlagwort-Archiv: response

Prävention ist der Schlüssel

Es kommt selten gut an, andere zu kritisieren. Ebola ist eine Ausnahmesituation, praktisch niemand, keine NGO, keine Regierung, war auf so etwas vorbereitet. Alle tun was sie können. Jeder hier ist überarbeitet. Trotzdem komme ich nicht umhin, mich hin und wieder darüber zu ärgern, wohin Gelder fließen.

Ich habe es bereits mehrfach erwähnt: Geld, dass in die Behandlung von Ebola-Patienten fließt, rettet 1 Leben. Geld, das in die Prävention von Ebola fließt, rettet VIELE Leben. Trotzdem geht mehr Geld in die Behandlung, wie diese aktuelle Graphik der UN zeigt: (Hier bitte Bild von unten stehender Website einfügen)

Financial Requests for Ebola Response to UNMEER
Quelle: Financial Requests for Ebola Response to UNMEER

Ein Beispiel, dass mich besonders empört hat, kommt von USAID. In einem „Innovations“-Wettbewerb für neue Ansätze und Ideen in der Ebola-Antwort hat doch tatsächlich ein Projekt gewonnen, das einen neuartigen Schutzanzug für medizinisches Personal entwickelt hat! Bei allem Mitgefühl und aller Bewunderung für Ärzte und Krankenschwestern, die sich am Kampf gegen Ebola beteiligen und dies teilweise mit ihrem Leben bezahlen: Ein neuer Schutzanzug wird Ebola NIE beenden! Das ist ein bisschen wie der Glaube, das Anlegen einer Schwimmweste könnte ein Schiff vom Untergehen bewahren.

Das halte ich für leichtsinnig und generell verfehlt. Ziel muss es sein, die weitere Ansteckung zu 100% zu unterbinden. Mein Freund und Co-Herausgeber dieses Blogs Rene hat mich gefragt, was es denn eigentlich kosten würde, ganz Sierra Leone für drei Wochen unter Quarantäne zu stellen. Schulen und Universitäten sind sowieso geschlossen. Viele Menschen haben ihre Jobs verloren. Warum nicht einfach eine generelle Ausgangssperre für drei Wochen, keiner außer Medizinischem Personal und Polizisten verlässt die Wohnung. Denn in einem Land, wo ein Großteil der Bevölkerung mit weniger als 1.25 US Dollar pro Tag auskommt, sollte eine 21-tägige Ausgangssperre mit gleichzeitiger Vollverpflegung eigentlich nicht so viel kosten. In Sierra Leone leben etwa 6 Millionen Menschen, also sprechen wir von einem Betrag von unter 200 Millionen US Dollar. Investiert wurden bisher 1.9 Billionen US Dollar. Ich denke, einer solchen Intervention steht vor allem die logistische Koordination im Wege, als auch die praktische Implementierung. Es ist kaum möglich, ein ganzes Land von einem Tag auf den anderen unter Bewachung zu stellen. Ich habe zuvor in Nordkorea gearbeitet, mit Überwachung kenne ich mich seitdem etwas aus. Hinzu kämen die Probleme, die uns ja schon bei den wenigen Haushalten begegnen, die die Welthungerhilfe während der Quarantäne begleitet: Trink- und Haushaltswasser, Müllentsorgung, gemeinsame Toiletten für ganze Straßenzüge etc. pp.

Natürlich habe ich auch keine Lösung. Aber ich bin mir in einem sicher: Prävention ist der Schlüssel im Kampf gegen Ebola.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

More Posts - Website - Twitter