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Ebola in den deutschen Medien

Heute möchte ich mal über meinen Eindruck schreiben, den die deutschen Medien bei mir hinterlassen hatten, und diesen Eindruck mit der Realität vor Ort vergleichen. Ich erhebe weder Anspruch darauf, dass ich die mediale Berichterstattung in ihrer Gänze erfasst hätte, noch, dass ich vermittelte Inhalte immer richtig interpretiert habe. Trotzdem stelle ich eben einen Medien-Konsumenten dar, und den Eindruck dieses einen Konsumenten möchte ich hier beschreiben.

Mein Eindruck in Deutschland war also folgender: Ebola breitet sich in Sierra Leone immer weiter aus, weil es so eine gefährliche Krankheit ist, die in höchstem Maße ansteckend ist. Trotz enormer Finanzmittel gelingt es der internationalen Gemeinschaft nicht, die Verbreitung einzudämmen. Außerdem sind die Menschen auch ein bisschen dumm und halten sich nicht an die notwendigen Regeln.

Zum Beispiel hier:

Titelseite Dt

Das war in etwas das, was meiner Meinung nach vermittelt wurde bisher. Die Wirkung davon war, dass nicht weniger meiner Freunde und Verwandten mein Vorhaben, nach Sierra Leone zu gehen, für leichtsinnig und verantwortungslos gehalten haben. Eine Tante hätte mich am liebsten im Keller festgebunden, während ein Freund darauf bestand, dass ich auch keine Gegenstände mehr anfassen könne, weil alles potentiell Virenträger sein könnte. Einige Freunde wusste bis zu meiner Abreise im November nicht, dass Ebola nur über Körperflüssigkeiten übertragen werden kann und nicht über die Luft wie z.B. Grippe. Bei all diesen Berichten in Zeitung, Radio und Fernsehen frage ich mich ernsthaft, was da eigentlich schon wieder schief gelaufen ist?! Wenn man über eine neue Krankheit berichtet, wäre es da nicht vor allem wichtig, die genauen Ansteckungsmechanismen zu vermitteln? Wäre das nicht das Erste, um das sich die Medien kümmern sollten? Stattdessen wurden mal wieder haltlose Ängste geschürt und die öffentliche Diskussion zirkelte hauptsächlich darum, ob sich die Menschen in Deutschland um ihre eigene Gesundheit fürchten müssen. Aus meiner Sicht ist das nicht weniger als mediales Versagen und ein Armutszeugnis (und ein Grund mehr für diesen Blog).

Und um den Kreis zu schließen, mein Eindruck vor Ort ist folgender: Um sich mit Ebola zu infizieren, muss man grundlegende Hygienemaßnahmen missachten. Die Regierung war schon vor Ebola schwach und die Notsituation hat ihre Handlungsfähigkeit nicht gerade verstärkt. Die öffentlichen Gelder fließen zu wenig in Prävention und Aufklärung, dafür zu viel in Behandlung und Forschung. Viele Menschen können nicht lesen, haben keine Radios und sind fest in ihren Traditionen verwurzelt. Das sind die Gründe für die Ausbreitung. Mit der Gefährlichkeit oder schwierigen Behandelbarkeit von Ebola hat die Epidemie nur wenig zu tun.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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