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Ebola und Korruption

Mitte Dezember gab es einen ausgesprochen interessanten Artikel auf foreignpolicy.com. Es ist zwar schon etwas her, aber ich möchte den Artikel trotzdem als Aufhänger für einen neuen Blogeintrag nutzen, denn das Thema ist und bleibt hochaktuell in Sierra Leone, nicht nur in Ebola-Zeiten: Korruption.

http://foreignpolicy.com/2014/12/10/sierra-leones-ebola-epidemic-is-spiraling-out-of-control/

In Rankings über Korruption gehört Sierra Leone regelmäßig zum unteren Drittel. In der jüngsten Geschichte der Entwicklungshilfe in Sierra Leone gab es spektakuläre Fälle von Korruption (siehe Artikel), die auch höchste Regierungsbeamte betrafen. Die Regierung unterhält eigens eine Anti-Korruptions-Kommission, aber deren Effektivität darf nach oben genanntem Artikel zumindest angezweifelt werden.

Es gibt auch andere Quellen, die Fragen aufwerfen bezüglich der zweckgebundenen Verwendung von Ebola-Hilfsgeldern. Gerüchten zufolge, und entgegen anders lautender Studien, soll der Zementabsatz im Land in den letzten Monaten steil angestiegen sein. Warum? Es heißt, die Regierungsvertreter hätten mehrheitlich begonnen, ihre Häuser auszubauen. Das wird wohl kein Zufall sein, dass gerade jetzt Geld dafür da ist. Aber wie gesagt, alles nur Gerüchte – natürlich.

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass der Geldumsatz hier im Land im Moment enorm ist. Auch wir bei der WHH setzen Drittmittel in großen Summen um. Das erfordert viel administrativen Aufwand, wenn sichergestellt werden soll, dass alle Gelder dort verwendet werden, wo sie im Kampf gegen Ebola auch tatsächlich gebraucht werden, und ist einer der Gründe, warum ich eine 7-Tage-Woche habe. Ich kann nur darüber spekulieren, wie die weitaus größeren Summen, die als direkte Hilfe von ausländischen Regierungen an die Sierra Leonische Regierung gegeben werden, verwaltet werden. Zahlreiche Vertreter von Lokalregierungen haben im Kampf gegen Ebola Doppelrollen angenommen: Obwohl sie nach wie vor für die Regierung arbeiten, sichern sie sich regelmäßig Verträge als Consultants oder ähnliches für internationale NGOs und sonstige Hilfsorganisationen. Wie das zeitlich umzusetzen ist, ist fraglich und es muss wohl damit gerechnet werden, dass ihre tatsächlichen Aufgaben in der Zeit auf der Strecke bleiben.

Was mir aber wirklich Sorgen macht ist nicht das Geld, das möglicherweise in den falschen Taschen hängen bleibt. Besorgniserregend finde ich die „lessons learnt“, nämlich dass man mit einer medizinischen humanitären Katastrophe gutes Taschengeld verdienen kann. Unter solchen Umständen stellt sich eine zentrale Frage: Hat wirklich jeder hier ein ehrliches Interesse daran, Ebola zu beenden?

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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Was ist eigentlich das Problem?

Ich wünschte, auf diese Frage gäbe es eine einfache Antwort. Eine Antwort, die ich sowohl den Menschen in Deutschland geben könnte, die sich fragen, warum die Ebola Epidemie nun seit Monaten unbesiegt bleibt. Eine Antwort, die ich vor allem auch den Menschen in Sierra Leone geben könnte. Ein einfache Antwort, die sich in einem Satz vermitteln lässt.

Aber diese Antwort gibt es nicht. Das Problem ist zu vielschichtig. Eigentlich ist alles an der Kombination „Extreme Armut – Ebola – Westafrika“ ein Problem. Um nur ein paar Anhaltspunkte zu geben, hier mein Brainstorm:

Die Anzahl ausgebildeter sierra-leonischer Ärzte ist verschwindend gering (ich schätze sie auf weniger als 50 landesweit). Die hygienischen Bedingungen sind schlecht, viele Menschen teilen einfache Toiletten. Am Anfang haben die Menschen nicht der Regierung geglaubt, da das Verhältnis zwischen Regierung und Menschen schlecht ist, es gibt kein Vertrauen. Es sind zu wenige ausländische Ärzte bereit zu kommen. Die deutschen Medien stellen Ebola als unbeherrschbar dar, was falsch ist und nur Angst schürt. Sierra Leone ist auch für Malaria ein Hochrisiko-Land. Ebola hat anfangs die gleichen Symptome wie Malaria und wird deshalb oft geleugnet.  Lokale Bestattungsrituale sehen das Waschen von Toten vor, dabei steckt man sich leicht an. Die lokale Kultur ist überhaupt stark auf Körperkontakt bezogen, die Menschen stehen sich sehr nah. Man ist in Sierra Leone sehr gastfreundlich, Besucher werden niemals abgewiesen. Die Internationale Reaktion kam zu spät und zu langsam. Zu viele NGOs und UN Organisationen zirkeln um Koordination, während am Boden zu wenig passiert. Zu viele Ressourcen gehen in die Behandlung, anstatt sich vorrangig auf die Eindämmung der Ansteckung zu konzentrieren. Das Problem auch ist auch bei HIV bekannt, vgl. William Easterly,

„Wir retten die Welt zu Tode“

Außer Ebola gab es dieses Jahr leider noch eine Reihe anderer Katastrophen, so dass das mediale Interesse schnell wieder weg war.

Das ist, was mir nach einem Monat Arbeit in Sierra Leone in 5 min einfällt. Da stellt sich mal wieder die berechtigte Frage, was der Einzelne tun kann, ja, was eine einzelne NGO überhaupt machen kann.

Aber darauf gibt es zum Glück eine einfache Antwort: Verdammt viel.

Seit 4 Wochen arbeite ich jeden einzelnen Tag als Projektadministratorin für die Deutsche Welthungerhilfe in Freetown. Der administrative Aufwand für den Umsatz von Spenden und Drittmitteln, also Geldern von z.B. der deutschen Regierung, ist enorm.

Hilfsorganisationen bringen Lebensmittelpakete zu Familien die im Dorf John Obey in Sierra Leone von Ebola betroffen sind By User:JuliaBroska [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
Damit die lokalen Kräfte vor Ort Seife, Chlor, Aufklärungsmaterialien, Essens-Pakete für Haushalte in Quarantäne, verteilen können, müssen wir jeden einzelnen Schritt schriftlich erfassen. Jede Ausgabe muss belegt werden, jede Verteilung von Hilfsgütern dokumentiert. Wir starten gerade ein Projekt, in dem 33.000 Haushalts-Pakete verteilt werden. Das bedeutet 33.000 handsignierte Übergabeprotokolle. Am Ende muss alles zusammen passen: Es muss exakt das gekauft worden sein, was auch im Lagerhaus angekommen ist. Es muss exakt die Menge das Lagerhaus verlassen, die auch beim Haushalt ankommt. Manchmal frage ich mich, ob das Teil der Lösung oder Teil des Problems ist. Aber all das ist aus der Diskussion um accountability, um Nachprüfbarkeit der Entwicklungszusammenarbeit entstanden. Das ist aber eine andere Geschichte, von der ich ein anderes Mal erzählen werde.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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