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Regionale Kooperation im Kampf gegen Ebola?

Aus meiner Sicht wäre ein regionaler Schulterschluss im Kampf gegen Ebola eigentlich naheliegend. Die Länder Guinea, Sierra Leone und Liberia sind Nachbarländer und zum Teil kulturell sehr ähnlich. Trotzdem hat jedes Land den Kampf gegen Ebola weitestgehend allein geführt und auch sehr unterschiedliche Strategien angewandt.

Was vor allem in letzter Zeit immer wieder aufkam in Sierra Leone war die Diskussion, ob die Grenzen zu Guinea geschlossen werden sollten. Rufe werden laut nach Militärpräsenz und Grenzschutz. Dabei frage ich mich, ob eine solche Maßnahmen tatsächlich den gewünschten Erfolg bringen. Zwar wurde Ebola tatsächlich von Guinea nach Sierra Leone gebracht, die Verbreitung innerhalb des Landes fand aber mit großer Mehrheit durch Sierra Leoner selbst statt. Nichtsdestotrotz wird bei jedem neuen Ebola-Fall in der Grenzprovinz Kambia zuerst vermutet, der Fall sei aus Guniea „eingeschleppt“:

150326 EbolaAusGuniea

Welchen Unterschied macht das eigentlich? Sitzen nicht alle Länder im selben Boot? Außerdem – wäre es nicht viel sinnvoller, bei vielen neuen Ebola-Fällen in den Grenzregionen sowohl Sierra Leones als auch Guineas ein gemeinsames Programm zu starten, um die Ansteckungen einzudämmen? Social Mobilization, Aufklärungsprogramme, mehr mediale Aufmerksamkeit? Denn die Fälle belegen ja offenbar, dass zu wenig getan wird in diesen geographischen Gebieten. Stattdessen beschränkt man sich darauf, die Schuld dem jeweils anderen Land zuzuweisen. Vorstöße, die Grenzen zu schließen kommen nämlich – wie nicht anders zu erwarten – von beiden Ländern wechselseitig.

Ende März hat Guinea die Grenze zu Sierra Leone geschlossen:

http://www.nytimes.com/2015/03/31/world/africa/guinea-border-closed-over-ebola-fears.html?_r=0

Dies hat Sierra Leoner aber nicht davon abgehalten, ihrerseits einen Grenzschluss Sierra Leones einzufordern, hier ein Auszug aus WhatsApp vom 17. Mai:

WhatsApp Guinea

Es ist zu hoffen, dass zumindest in der Post-Ebola-Zeit ein stärkeres Regionalbewusstsein entsteht und vielleicht sogar Best-Practices ausgetauscht werden können. Die Welthungerhilfe ist in dieser Hinsicht bereits aktiv geworden: Vor zwei Wochen gab es einen Workshop für Mitglieder der District Ebola Response Center (DERC), bei dem auch zwei Teilnehmer aus Guinea eingeladen werden. Zudem hat die Welthungerhilfe ein grenzübergreifendes Programm aufgelegt, das Nahrungsunsicherheit in stark von Ebola betroffenen Gebieten in Sierra Leone und Liberia bekämpfen soll. Trotzdem – es sollte noch mehr getan werden für die regionale Zusammenarbeit. Alle Organisationen könnten eine Stärkung in dieser Hinsicht anstoßen, gerade wir Europäer könnten uns auf unsere eigenen starken Regionalstrukturen besinnen und unsere Erfahrungen teilen.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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