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Ebola und Menschen mit Behinderungen

Über dieses Thema hatte ich lange selbst nicht nachgedacht. Ich kenne mich auch nicht aus auf dem Gebiet der Betreuung von Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen. Trotzdem möchte ich von zwei interessanten Ereignissen berichten, über die ich zufällig gestolpert bin.

Im Fernsehen habe ich gesehen, dass eine lokale Vereinigung von Blinden und Sehbehinderten ein Informationsblatt zu Ebola in Blindenschrift herausgebracht hat. Denn auch wenn mittlerweile viele Informationen als gute Handzeichnungen zur Verfügung stehen, so dass auch Menschen erreicht werden, die nicht lesen können, hilft das Blinden natürlich herzlich wenig. Und die Ansteckungsgefahr ist für sie ja sehr real, denn sie sind oft auf Körperkontakt angewiesen, z.B. wenn sie einen Blindenführer in Anspruch nehmen. Dieses gilt generell für viele Menschen mit Behinderungen: Viele brauchen Assistenz um ihren Alltag zu bewältigen, und diese Assistenz umfasst oft auch Körperkontakt, z.B. Hilfe beim Anziehen, Toilettengang, Essen etc. Hier sind Menschen mit entsprechenden Behinderungen also klar gefährdet.

Thomas Alieu, Executive Director of the Educational Centre for the Blind and Visually Impaired in Sierra Leone, sagt:

„The visually impaired people were feeling very vulnerable in the fight against Ebola, and there was a real sense of loneliness. This was primarily because in the Ebola outbreak, people are encouraged not to touch each other, but for the visually impaired, this makes it very difficult to go about in daily life.“

Übersetzung: „Die Sehbehinderten haben sich im Kampf gegen Ebola sehr verletzlich und einsam gefühlt. Der Hauptgrund war, dass Menschen sich nicht berühren sollten während der Ebola-Krise, aber für Sehbehinderte ist das sehr schwierig im Alltag.“

(Quelle: http://www.actionaid.org/india/shared/challenges-faced-visually-impaired-fighting-ebola-sierra-leone)

Ein lokales Heim für Polio-Kranke hat mich angeschrieben und darum gebeten, dass die Welthungerhilfe das Heim mit Nahrung versorgt. Durch die Ebola-Krise sei das Hilfspersonal auf ein Minimum beschränkt worden und man versuche wo es ginge Kontakt zur Außenwelt zu vermeiden, um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten. Daher wäre es hilfreich, wenn auf den Einkauf auf dem Markt verzichtet werden könnte.

Für mich ist aber spätestens jetzt klar geworden, dass sich für Betroffene oft ganz andere Probleme stellen als für den Rest der Bevölkerung und dass vor allem die oft eingeschränkte Mobilität zahlreiche Probleme mit sich bringt. Menschen mit Behinderungen sollten auf jeden Fall besondere Aufmerksamkeit erfahren bei der Implementierung von Projekten, sei es nun Nothilfe wie im Fall von Ebola, oder seien es langfristige Entwicklungsprojekte. Jeder sollte teilhaben können.

Für mehr Infos empfehle ich diese Website:
http://www.handicap-international.us/ensuring

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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