Psycho-soziale Hilfe für Ebola-Opfer

Vor einigen Tagen hatte ich die Ehre, dem Distrikt Kailahun einen Besuch abzustatten. Kailahun liegt ganz im Südosten des Landes, an der Grenze nach Guinea. Es war mein erster Besuch dort. Ich konnte Frau Doris Mansaray vom Ministerium für Soziale Wohlfahrt für eine kurze Videoansprache gewinnen. Sie erklärt im Video, wo die Aufgabenbereiche des Ministeriums in der Antwort auf Ebola liegen und benennt Probleme, die im Distrikt aufgekommen sind. Ich möchte hier kurz schriftlich zusammenfassen, welche Problembereiche sich im Gebiet „psycho-soziale“ Hilfe ergeben haben, und auch Berichte anderer Distrikte mit einbringen, die Doris‘ Ausführungen ergänzen. Meine Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, insbesondere, da z.T. leider täglich neue Probleme entstehen.

Zum einen gibt es das Problem der Familienzusammenführung, vor allem wenn Kinder an Ebola erkrankt sind. Kinder werden zur Behandlung in Kailahun von ihren Familien getrennt. Ebenso werden erkrankte Mütter separiert. Das führt zu dem offensichtlichen Problem, dass durch Quarantäne in Isolierstationen und Behandlung in Krankenhäusern auseinander gerissene Familien wieder zusammen geführt werden müssen, wenn die Quarantäne vorbei ist oder ein Kraker geheilt entlassen wird. Dies gelingt nicht immer. So ist mir ein Fall bekannt aus Western Area Rural, wo die Mutter eines Kleinkindes 2 Wochen nach dessen Abholung durch das Surveillance-Team nichts von dessen Verbleib wusste. Die schürt verständlicherweise den Wiederstand in der Bevölkerung gegen Quarantänemaßnahmen.

Leider kam es auch in Kailahun als auch andernorts vor, dass die Angehörigen eines Verstorbenen nicht informiert wurden. Es wurde hier von einem Fall berichtet, in dem eine Familie zwei Monate nach dem Tod ihres Kindes noch nicht informiert worden war! Offensichtlich gab es für diese Angehörigen also auch nicht die Möglichkeit, der Beerdigung beizuwohnen.
Ein weiteres Problem sind Waisenkinder. Ich habe zwischenzeitlich ein sogenanntes „Interim Childcare Centre“ besucht. Ebola hat viele Waisenkinder im ganzen Land hinterlassen. Wer sich in Zukunft um sie kümmern wird, ist unklar.

Auch in Kailahun kam das Problem der Teenager-Schwangerschaften zur Sprache. Auch hier wurden zahlreiche Mädchen geschwängert seit die Schulen geschlossen sind. Allerdings hat mir ein Arbeitskollege berichtet, dass dieses Problem auch vor Ebola groß war. Ich weiß also nicht, inwieweit sich die Lage wirklich verschlimmert hat.

Auch die „Überlebenden“, also als geheilt entlassene Ebola-Fälle, stehen vor Versorgungs-Problemen. Fast ihr gesamter Besitz muss vernichtet werden durch Dekontaminations-Teams, um das Überleben von Ebola-Viren zu verhindern. Wenn die Überlebenden zurückkommen, stehen sie vor dem Nichts. Da sich die internationale Gemeinschaft im Moment stark auf die Behandlung und Versorgung der akuten Fälle konzentriert, gibt es in vielen Distrikten noch kein organisiertes Auffangen von Überlebenden.

Aber viel besser als ich das als Außenstehende jemals könnte, schildert Doris das Problemfeld:

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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Über Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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