Koordination im Kampf gegen Ebola: Was passiert bei einem „DERC Meeting“?

DERC – das steht für District Ebola Responce Centre und wird von den Communities in Sierra Leone organisiert. Es ist jetzt ca. 1 Monat her, dass ich zum ersten Mal bei einem solchen Meeting dabei war, und zwar im Distrikt Kailahun. Die DERC-Mitglieder treffen sich zu festen Zeiten, je nach Situation im Distrikt täglich oder 3-4 Mal pro Woche. Gewöhnlich dauert ein Meeting 1 Zeitstunde. Ziel ist es, die verschiedenen Säulen der Ebola-Antwort zu koordinieren und Informationen auszutauschen.

Die Säulen der Ebola-Antwort sind dabei wie folgt definiert:

  1.  Management Patienten (Krankenhaus, Isolation und Behandlung)
  2. Management Bestattungen
  3. Management Kontaktpersonen
  4. Logistik: Transport, etc.
  5. Kontrolle und Labore
  6. Social Mobilization/Kommunikation
  7. Mobilisierung von Ressourcen
  8. Psycho-Soziale Unterstützung

Säule für Säule wird dann im Meeting durchgegangen, dabei sind immer die entsprechenden Vertreter der Lokalregierung angesprochen, aber auch Vertreter von verschiedenen UN-Organisationen und NGOs.

Zuerst wurde verlesen, wie viele neue Verdachtsfälle es gab seit dem letzten Meeting, wie viele neue bestätigte Fälle, wie viele Todesfälle und wie viele davon mit Ebola in Zusammenhang stehen und wie viele Personen als geheilt entlassen wurden. In Kailahun repräsentiert die Welthungerhilfe gemeinsam mit anderen Vertretern die Säule 3 –„Managment Kontaktpersonen“. Dahinter verbergen sich die Haushalte in Quarantäne, die also durch Nahrungsmittellieferungen und polizeiliche Ausgangssperre „gemanaged“ werden. Unser Vertreter, den ich an diesem Tag begleitet habe, hat also ein kurzes Update gegeben, wie viele Haushalte zurzeit in Quarantäne sind und wann Nahrunsmittelpakete verteilt werden. Erfreulicherweise war nur ein einziger Haushalt in Quarantäne.

Für mich persönlich war die Teilnahme an einem DERC Meeting äußerst interessant. Es werden viele Informationen ausgetauscht aus erster Hand. Bei diesem Meeting habe ich zum Beispiel Doris vom Ministerium für Soziale Wohlfahrt kennen gelernt, mit der ich ein Interview in einem Auffangstation für Ebola-Waisen geführt habe.

Unterm Strich kann Kailahun als vorbildlich gelten: Im Juni war Kailahun noch ein hot-spot für Ebola, jetzt gab es fast drei Wochen lang keine neuen Fälle. Unter anderem wird die gute Koordination für diesen Erfolg verantwortlich gemacht.

Trotzdem gilt es, aufmerksam zu bleiben. Im Nachbardistrikt Kenema glaubte man vor einigen Wochen auch, Ebola besiegt zu haben. Die Aufmerksamkeit lies nach – und schon gab es neue Fälle.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

More Posts - Website - Twitter

Über Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

Kommentar verfassen