Ebolafieber besiegt das Weihnachtsfieber von Sierra Leone

20% der Sierra Leoner sind Christen. Der erste und zweite Weihnachtstag sind Feiertage und traditionell reist das gesamte Land in Provinzen über Weihnachten um die Verwandtschaft zu besuchen. Die Menschen sammeln sich auf der Straße und an den Stränden, um gemeinsam zu feiern. Zumindest haben mir das meine Kollegen so erzählt. Denn dieses Jahr ist alles anders. Man könnte sagen: Weihnachten fällt aus.

Die Strände, an denen die Menschen sonst immer am zweiten Weihnachtstag zu fröhlichen Partys zusammenströmten, seien geschlossen. „Und wir haben wunderschöne Strände“, bedauert James-DeKam. Die Regierung hat öffentliche Feiern untersagt. Und sie hat angekündigt, Soldaten auf die Straßen zu schicken, damit das Verbot eingehalten wird.

Der öffentliche Fernverkehr operiert praktisch nicht mehr. Ohne Sondergenehmigung ist es unmöglich, weite Strecken zu verreisen, denn nach 17 Uhr werden keine privaten Autos mehr durch die zahlreichen Straßensperren gelassen. Überlandreisen werden so schwierig bis unmöglich. Zudem wurde die Bevölkerung dazu aufgerufen, keine Gäste ins Haus zu lassen. Die Regierung hat Angst, dass Menschenansammlungen, insbesondere nach Einbruch der Dunkeheit, zu einer noch erhöhten Ansteckungsgefahr führen könnten – und das will man natürlich um jeden Preis verhindern, zumal an Weihnachten. Die Auswirkungen einer solchen Ausganssperre kann hat Kamanda, Mitglied des internationalen Jugendbeirats von Plan aus Sierra Leone beschrieben:

Sie können sich nicht vorstellen, wie schwer es ist, den ganzen Tag zu Hause sitzen (oder liegen) zu bleiben, ohne nach draußen gehen zu dürfen, ohne in der Gemeinde zu laufen. Es war, als hätten wir drei Tage im Gefängnis gesessen. Aber es war eine richtige Entscheidung, um die Menschen vor Ebola besser zu schützen.

Ein Kollege hat mich am vergangenen Sonntag in den Gottesdienst mitgenommen. Ich bin nicht religiös, aber aus Interesse an der lokalen Kultur bin ich mit gekommen. Am Ende gab es die Ankündigung, dass der nächtliche Gottesdienst am Weihnachtsabend ausfällt und stattdessen am darauf folgenden Morgen stattfindet. Der nächtliche Gottesdienst wird aber im Radio übertragen, und der Priester hat dazu aufgerufen, einen gemeinsamen Gottesdienst zu zelebrieren, jeder von den eigenen vier Wänden aus. Man tut was man kann. Und hofft auf bessere Zeiten im nächsten Jahr.

Für uns im Büro war sowieso klar, dass Weihnachten diese Jahr ausfällt: Wir ertrinken in Arbeit. Und da Ebola offensichtlich auch nicht an Feiertagen Pause macht, müssen wir durcharbeiten. Auch an den Weihnachtstagen werden Haushalte unter Quarantäne gestellt, auch an den Weihnachtstagen müssen Essenspakete ausgeliefert werden.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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Über Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

2 Gedanken zu „Ebolafieber besiegt das Weihnachtsfieber von Sierra Leone

  1. Hallo Julia, danke für deinen Bericht, frohe Weihnachten und Grüße an das ganze Team in Sierra Leone. Wie gut dass ihr durcharbeitet, denn ganz richtig, Ebola kennt keine Feiertage und der Hunger der Menschen in Quarantäne auch nicht!

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