Ebola und Lassa Fieber

Der Ebola-Ausbruch in Westafrika ist mit Abstand der größte Ebola-Ausbruch, den die Welt je erlebt hat. Viele fragen sich, warum es ausgerechnet in Westafrika zu so einer enormen Verbreitung des Virus kommen konnte. Die Ausbrüche, die es in der Vergangenheit in Ländern wie Uganda oder dem Kongo gab, wurden viel eher unter Kontrolle gebracht. Es gibt sicherlich viele Gründe dafür. Aber einer, der immer wieder als Grund genannt wird, gehört nicht dazu, zumindest nicht wirklich: Es sei der erste Ebola-Ausbruch in Westafrika gewesen.

Es stimmt, Ebola gab es noch nie zuvor in Sierra Leone, Liberia oder Guniea. Aber wofür gerade die Grenzregion zwischen Liberia und Sierra Leone aber als Hotspot bekannt ist, ist ein anderes Virus: Lassa.

Über Lassa wusste ich bis vor kurzen eigentlich gar nichts. Aber zufällig bin ich in dem Buch „Chasing the Devil“ von Tim Butcher auf folgenden Absatz gestoßen:

„Lassa is one of the world’s deadliest diseases and not one to take chances with. It is a viral haemorrhagic fever, similar to ebola, that inflicts a slow and painful death on its victims by destroying blood vessels and causing bodily extremities to swell with excess fluid, like balloons filling with water. In extreme cases blood can gush from nostrils, eye-sockets, ears, even fingernail beds, and victims often die from drowning as their lungs fill with liquid.

What makes lassa so dangerous is that all secreted fluids can carry the virus, so family members, nurses or doctors looking after a victim can easily become contaminated. Entire families can be wiped out and the fatality rate among health workers, especially in the undeveloped world, is often terribly high. When scientists handle the virus in research facilities in the developed world they apply the highest safety standards, known as Biosafety Level 4 (BSL-4), wearing sealed suits inside special laboratories where the air is not just filtered but kept at a pressure lower than atmospheric pressure, so that if there is an accidental leak the air inside the chamber cannot readily leak out. If caught early enough – something that requires sophisticated clinical testing – lassa fever is treatable with antiviral drugs, but by the time it is identified in rural areas in Africa, for example, where testing is limited, it is often so advanced that treatment becomes a battle of fluid levels as medics try to stop the patient from bleeding out while at the same time stopping themselves from becoming infected. Kenema lies in the border area between Sierra Leone and Liberia, a region with the unfortunate distinction of being one of the world’s lassa hotspots. It is most commonly spread by infected rats, through urine trails which they have the unsavoury habit of dripping everywhere as they move.”

Übersetzung:

“Lassa ist eine der tödlichsten Krankheiten der Welt, mit ihr ist nicht zu Spaßen. Es handelt sich um ein virales hämorrhagisches Fieber, genau wie Ebola, das einen langsamen und schmerzhaften Tod zur Folge hat, indem Blutgefäße zerstört werden und die Extremitäten mit Flüssigkeit anschwellen wie Ballons. In extremen Fällen kann Blut aus Nase, Augen, Ohren und sogar Fingernägel-Betten austreten und Opfer sterben häufig durch Ertrinken, weil sich ihre Lungen mit Flüssigkeit füllen.

Was Lassa so gefährlich macht ist, dass alle Körperflüssigkeiten den Virus tragen können. Familienmitglieder, Krankenschwestern oder Ärzte, die einen Patienten versorgen, können sich leicht selbst infizieren. Ganze Familien können ausgelöscht werden und die Todesrate unter Gesundheitsarbeitern, vor allem in Entwicklungsländern, ist schrecklich hoch. Wenn Wissenschaftler das Virus in Forschungseinrichtungen untersuchen, müssen die höchsten Sicherheitsstandards angewandt werden, sie müssen verschlossene Plastikanzüge in speziellen Labors tragen, in denen die Luft nicht einfach nur gefiltert wird, sondern sogar unter Unterdruck steht. Kommt es zu einem Unfall, kann die Luft aus dem Labor nicht einfach ausströmen. Wird Lassa früh genug erkannt – was fortschrittliche Testmethoden erfordert – kann es mit antiviralen Medikamenten behandelt werden. Aber zu dem Zeitpunkt, zu dem es im ländlichen Afrika erkannt wird, zum Beispiel in Regionen mit begrenzten Möglichkeiten für Labortests, ist es meist so Fortgeschritten, das die Behandlung zu einem Kampf von Flüssigkeitsständen wird: Die Ärzte versuchen, den Patienten vom Verbluten zu bewahren, während sie gleichzeitig versuchen, sich nicht selbst anzustecken. Kenema liegt in der Grenzregion von Sierra Leone zu Liberia, eine Region mit dem zweifelhaften Ruf, einer der Lassa-Hotspots der Welt zu sein. Lassa wird normalerweise durch infizierte Ratten verbreitet, durch Urinspuren die leider auf Schritt und Tritt von Ratten hinterlassen werden.“

Das kommt einem doch sehr bekannt vor. Es handelt sich also sowohl bei Lassa, als auch bei Ebola um ein hämorrhagisches Fieber, und beide müssen mit gleichen Sicherheitsstandards behandelt werden. Warum um alles in der Welt war man in Sierra Leone dann nicht besser vorbereitet gewesen? Es hätte dann doch eigentlich schon know-how als auch Equipment für genau solche Viruserkrankungen im Land sein müssen!!! Und das in einer Zeit, in der z.B. der Hyogo Framework for Action (2005-2015) die Welt zu einem Fokus auf Katastrophenvorsorge aufgerufen hat.

Ärzte ohne Grenzen hat vergangene Woche einen Report veröffentlicht und ähnliches angeprangert, allerdings in Bezugnahme auf die letzte große Epidemie, nämlich Cholera in Haiti:

“The Ebola outbreak has often been described as a perfect storm: a cross-border epidemic in countries with weak public health systems that had never seen Ebola before,” said MSF general director Christopher Stokes.

“Yet this is too convenient an explanation. For the Ebola outbreak to spiral this far out of control required many institutions to fail. And they did, with tragic and avoidable consequences.”

The lessons learned by the WHO from the last international pubic health crisis, the cholera outbreak in Haiti that began in 2010 – were simply ignored and not put in place, says the report.“

Übersetzung:

„Der Ebola-Ausbruch wurde häufig als der “perfekte Sturm” beschrieben: eine grenzüberschreitende Epidemie in Ländern mit schwacher Gesundheitsversorgung, die zudem noch nie zuvor mit Ebola zu tun hatten“, sagte der Generaldirektor von MSF Christopher Stokes.

„Aber das ist eine zu bequeme Erklärung. Dass ein Ebola-Ausbruch dermaßen außer Kontrolle gerät, erfordert das Versagen vieler Institutionen. Und genau das ist passiert, mit tragischen und vermeidbaren Konsequenzen.“

Die Lektionen, die die Weltgesundheitsorganisation von der letzten internationalen Gesundheitskrise – dem Cholera-Ausbruch in Haiti 2010 – gelernt hatte, wurden schlicht ignoriert und nicht angewandt, sagt der Report.“

Es ist müßig einen Schuldigen finden zu wollen. Aber was bei Cholera und Lassa offenbar versäumt wurde, sollte bei Ebola nicht wieder versäumt werden: Aus den Fehlern die gemacht wurden zu lernen.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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Über Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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