Ebola-Überlebende: Gerettet und vergessen?

Mittlerweile wurden mehrere tausend Menschen in Sierra Leone als von Ebola geheilt aus den Behandlungszentren entlassen. Man nennt sie hier „survivors“ – Überlebende. Aber wie geht das Leben weiter für so einen oder eine Überlebende/n?

Die Frau hat Ebola in Sierra Leone ueberlebt und wurde nach ihre Entlassung aus dem Krankenhaus mit Ihrem Ehemann fotographiert
Frau Abie Forna, 35 Jahre alt, hat Ebola in Sierra Leone ueberlebt und wurde nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus mit Ihrem Ehemann fotographiert. By User:JuliaBroska [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
Bei Entlassung erhalten die Überlebenden ein offizielles Zertifikat, das sie als gesund auszeichnet. Außerdem erhalten sie ein Paket Vitamine und Medikamente, die sie noch ein bisschen aufpäppeln sollen. Zumindest in der Theorie. Ich habe persönlich leider schon Überlebende getroffen, die weder das eine, noch das andere bekommen haben. Außerdem scheinen Überlebende noch sehr schwach zu sein. Ich weiß nicht, wie lange es braucht, bis sie wieder ganz bei Kräften sind und es ist sicherlich auch stark von der persönlichen Konstitution abhängig, Alter, Ernährungszustand, Vorerkrankungen usw. Tatsächlich habe ich sogar gehört, dass für einen gesunden Menschen der schnell medizinische Hilfe bekommt die Überlebenschancen gar nicht so schlecht stehen. Aber da viele der Betroffenen arm sind, in hygienisch bedenklichen Verhältnissen leben und oft schon vorher nicht bei bester Gesundheit waren, hilft leider oft auch schnelle Hilfe nicht.

Hinzu kommt, dass Überlebende oft in sehr schwierige familiäre Verhältnisse zurückkehren. Oft sind weitere Familienangehörige erkrankt oder sogar gestorben, nicht selten auch der Haushaltsvorstand und Hauptverdiener. Die Familien waren außerdem mind. 21 Tage lang in Quarantäne und hatten in Folge dessen vollen Verdienstausfall. Theoretisch sollen auch post-quarantäne Haushalte ein unterstützendes Essenspaket erhalten, aber bisher ist das scheinbar eher punktuell geschehen. Und von einem Essenspaket allein findet man auch keinen neuen Job.

Gemäss der Nichtregierungsorganisation «Médecins sans Frontières» (MSF) haben in Guinea etwa 30 Personen die Infektion mit dem Ebola-Erreger überstanden. Sie versuchen, sich und ihr Schicksal im Hintergrund zu halten. Denn wird ihre Geschichte bekannt, drohen ihnen und ihren Familien Ausgrenzung, Angriffe und Vertreibung.

Kurz gesagt: Die Überlebenden werden auf dem Papier als Helden gefeiert, praktisch aber im Stich gelassen. Von einigen wenigen lokalen NGOs gibt es Initiativen, Überlebende in Aufklärungskampagnen einzubinden, was ich persönlich als sehr gute Initiative begrüße. Rene hatte in einem hier veröffentlichten Interview mit mir die Frage aufgeworfen, ob Überlebende immun sind gegen Ebola. Mittlerweile habe ich die Antwort: JA, sie sind immun! Das heißt es gibt das große Potential, Überlebende in die Krankenpflege einzubinden.

Glücklich diejenigen, die die aggressive und gefährliche Virus-Erkrankung ohne Serum besiegt haben. Unter ihnen sei die Bereitschaft groß, auch anderen zu helfen, so Charbonneau. Das gilt vor allem für Personen, die in irgendeiner Form über einen medizinischen Hintergrund verfügen. „Diese Menschen haben großes Interesse daran, ihr Wissen einzubringen und zu vermitteln. Das ist eine ganz große Chance“, sagt Charbonneau. „Sie könnten zum Beispiel Waisenkindern helfen oder auch Kindern, die noch in Krankenhäusern sind und unter Quarantäne stehen.

Die Welthungerhilfe hat ein erstes Projekt gestartet, das vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert ist und sich unter anderem um die Wiedereingliederung von Überlebenden kümmert. Sie haben es Besseres verdient, als vergessen zu werden.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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Über Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

3 Gedanken zu „Ebola-Überlebende: Gerettet und vergessen?

  1. Die Berichte über eine anhaltende Resistenz von Überlebenden stimmen mich hoffnungsvoll. Wenn man aus der hilflosen Situation der frisch aus der Quarantäne Entlassenen durch Beschäftigung beim Kampf gegen die Krankheit eine Stärke machen könnte wäre das eine außerordentliche Entwicklung. Hast Du in der Sache neue Beobachtungen machen können – stellen Hilfsorganisationen und lokale Gesundheitsbehörden Überlebende gezielt ein? Ist das Wissen um die mutmaßlich beständige Resistenz der Überlebenden verbreitet?

    1. Ja, ich habe in der Tat von einigen Projekten gehört, in denen Überlebende angestellt werden, z.B. in Interim Childcare Centren. Dort werden Kinder unter Quarantäne gestellt und von Überlebenden betreut. Allerdings habe ich eben auch gehört, dass scheinbar nicht jeder 100% resistent ist. Bin mir da immer noch nicht ganz klar über den medizinischen Wissensstand diesbezüglich.

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