Archiv für den Monat: März 2015

Wie schütze ich mich vor einer Ebola Infektion?

Ich gehöre nicht zum medizinischen Personal. Aber dennoch hatte ich Kontakt mit Kranken, mit Quarantänehaushalten und mit Ebola-Überlebenden. Vor meiner Ausreise habe ich ein Online-Training von einem Tropenmediziner bekommen. Es war ein 1,5 stündiges Gespräch. Mehr nicht. Natürlich habe ich mich durchs Internet geklickt und versucht, mehr Informationen zu sammeln über Fragen, die aus der Ferne kritisch schienen:

  1. Wie lange kann das Virus außerhalb des menschlichen Körpers überleben?
  2. Sind Tiere ansteckend?
  3. Kann man mit einer offenen Wunde, z.B. einem Schnitt im Finger, noch auf die Straße?

In den ersten drei Wochen in Sierra Leone habe ich täglich zweimal meine Körpertemperatur gemessen. Nur um sicher zu gehen. Zusätzlich zu den ca. 5 Mal, die sie beim Ein- und Ausgang im Büro, bei Meetings und Hotels gemessen wird. Ich habe mir die Hände mit einer Bürste geschrubbt und sicherlich mehr als 10 Mal am Tag desinfiziert. Ich habe mir nicht ohne vorheriges Hände waschen und desinfizieren ins Gesicht gefasst.
Mittlerweile mache ich das alles nicht mehr. Ich lebe praktisch normal. Ich desinfiziere noch die Hände nach jedem Händewaschen, und den Temperatur-Kontrollen auf der Straße kann man nicht entgehen. Und natürlich vermeide ich jeden Körperkontakt. Aber darüber hinaus treffe ich keine besonderen Maßnahmen mehr. Es ist einfach nicht nötig. Da Ebola ausschließlich durch Körperflüssigkeiten übertragen wird, bietet sich im „normalen“ Leben kaum die Möglichkeit einer Ansteckung. Leider wird das in den deutschen Medien anders dargestellt. Aber zu der medialen Berichterstattung schreibe ich ein anderes Mal mehr.
Die größte Gefahr für das nicht-medizinische NGO-Personal ist es wohl, eine andere Krankheit zu bekommen oder in einen Unfall verwickelt zu werden und ein öffentliches Krankenhaus aufsuchen zu müssen. Alle Krankenhäuser sind überfüllt, es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich auch Ebola-Kranke unter den Patienten befinden, und eine gute Ausstattung gab es natürlich sowieso noch nie. Deshalb wurde es z.B. auch dringend angeraten, während der Ebola-Zeit Malaria-Prophylaxe einzunehmen. Denn Malaria und Ebola haben anfangs sehr ähnliche Symptome. Und ein Ebola-Verdachtsfall kann in einem überfüllten Krankenhaus mit zweifelhaften hygienischen Bedingungen schnell zu einem bestätigten Ebola-Fall werden.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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