Archiv für den Monat: Februar 2015

Koordination im Kampf gegen Ebola: Was passiert bei einem „DERC Meeting“?

DERC – das steht für District Ebola Responce Centre und wird von den Communities in Sierra Leone organisiert. Es ist jetzt ca. 1 Monat her, dass ich zum ersten Mal bei einem solchen Meeting dabei war, und zwar im Distrikt Kailahun. Die DERC-Mitglieder treffen sich zu festen Zeiten, je nach Situation im Distrikt täglich oder 3-4 Mal pro Woche. Gewöhnlich dauert ein Meeting 1 Zeitstunde. Ziel ist es, die verschiedenen Säulen der Ebola-Antwort zu koordinieren und Informationen auszutauschen.

Die Säulen der Ebola-Antwort sind dabei wie folgt definiert:

  1.  Management Patienten (Krankenhaus, Isolation und Behandlung)
  2. Management Bestattungen
  3. Management Kontaktpersonen
  4. Logistik: Transport, etc.
  5. Kontrolle und Labore
  6. Social Mobilization/Kommunikation
  7. Mobilisierung von Ressourcen
  8. Psycho-Soziale Unterstützung

Säule für Säule wird dann im Meeting durchgegangen, dabei sind immer die entsprechenden Vertreter der Lokalregierung angesprochen, aber auch Vertreter von verschiedenen UN-Organisationen und NGOs.

Zuerst wurde verlesen, wie viele neue Verdachtsfälle es gab seit dem letzten Meeting, wie viele neue bestätigte Fälle, wie viele Todesfälle und wie viele davon mit Ebola in Zusammenhang stehen und wie viele Personen als geheilt entlassen wurden. In Kailahun repräsentiert die Welthungerhilfe gemeinsam mit anderen Vertretern die Säule 3 –„Managment Kontaktpersonen“. Dahinter verbergen sich die Haushalte in Quarantäne, die also durch Nahrungsmittellieferungen und polizeiliche Ausgangssperre „gemanaged“ werden. Unser Vertreter, den ich an diesem Tag begleitet habe, hat also ein kurzes Update gegeben, wie viele Haushalte zurzeit in Quarantäne sind und wann Nahrunsmittelpakete verteilt werden. Erfreulicherweise war nur ein einziger Haushalt in Quarantäne.

Für mich persönlich war die Teilnahme an einem DERC Meeting äußerst interessant. Es werden viele Informationen ausgetauscht aus erster Hand. Bei diesem Meeting habe ich zum Beispiel Doris vom Ministerium für Soziale Wohlfahrt kennen gelernt, mit der ich ein Interview in einem Auffangstation für Ebola-Waisen geführt habe.

Unterm Strich kann Kailahun als vorbildlich gelten: Im Juni war Kailahun noch ein hot-spot für Ebola, jetzt gab es fast drei Wochen lang keine neuen Fälle. Unter anderem wird die gute Koordination für diesen Erfolg verantwortlich gemacht.

Trotzdem gilt es, aufmerksam zu bleiben. Im Nachbardistrikt Kenema glaubte man vor einigen Wochen auch, Ebola besiegt zu haben. Die Aufmerksamkeit lies nach – und schon gab es neue Fälle.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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Prävention ist der Schlüssel

Es kommt selten gut an, andere zu kritisieren. Ebola ist eine Ausnahmesituation, praktisch niemand, keine NGO, keine Regierung, war auf so etwas vorbereitet. Alle tun was sie können. Jeder hier ist überarbeitet. Trotzdem komme ich nicht umhin, mich hin und wieder darüber zu ärgern, wohin Gelder fließen.

Ich habe es bereits mehrfach erwähnt: Geld, dass in die Behandlung von Ebola-Patienten fließt, rettet 1 Leben. Geld, das in die Prävention von Ebola fließt, rettet VIELE Leben. Trotzdem geht mehr Geld in die Behandlung, wie diese aktuelle Graphik der UN zeigt: (Hier bitte Bild von unten stehender Website einfügen)

Financial Requests for Ebola Response to UNMEER
Quelle: Financial Requests for Ebola Response to UNMEER

Ein Beispiel, dass mich besonders empört hat, kommt von USAID. In einem „Innovations“-Wettbewerb für neue Ansätze und Ideen in der Ebola-Antwort hat doch tatsächlich ein Projekt gewonnen, das einen neuartigen Schutzanzug für medizinisches Personal entwickelt hat! Bei allem Mitgefühl und aller Bewunderung für Ärzte und Krankenschwestern, die sich am Kampf gegen Ebola beteiligen und dies teilweise mit ihrem Leben bezahlen: Ein neuer Schutzanzug wird Ebola NIE beenden! Das ist ein bisschen wie der Glaube, das Anlegen einer Schwimmweste könnte ein Schiff vom Untergehen bewahren.

Das halte ich für leichtsinnig und generell verfehlt. Ziel muss es sein, die weitere Ansteckung zu 100% zu unterbinden. Mein Freund und Co-Herausgeber dieses Blogs Rene hat mich gefragt, was es denn eigentlich kosten würde, ganz Sierra Leone für drei Wochen unter Quarantäne zu stellen. Schulen und Universitäten sind sowieso geschlossen. Viele Menschen haben ihre Jobs verloren. Warum nicht einfach eine generelle Ausgangssperre für drei Wochen, keiner außer Medizinischem Personal und Polizisten verlässt die Wohnung. Denn in einem Land, wo ein Großteil der Bevölkerung mit weniger als 1.25 US Dollar pro Tag auskommt, sollte eine 21-tägige Ausgangssperre mit gleichzeitiger Vollverpflegung eigentlich nicht so viel kosten. In Sierra Leone leben etwa 6 Millionen Menschen, also sprechen wir von einem Betrag von unter 200 Millionen US Dollar. Investiert wurden bisher 1.9 Billionen US Dollar. Ich denke, einer solchen Intervention steht vor allem die logistische Koordination im Wege, als auch die praktische Implementierung. Es ist kaum möglich, ein ganzes Land von einem Tag auf den anderen unter Bewachung zu stellen. Ich habe zuvor in Nordkorea gearbeitet, mit Überwachung kenne ich mich seitdem etwas aus. Hinzu kämen die Probleme, die uns ja schon bei den wenigen Haushalten begegnen, die die Welthungerhilfe während der Quarantäne begleitet: Trink- und Haushaltswasser, Müllentsorgung, gemeinsame Toiletten für ganze Straßenzüge etc. pp.

Natürlich habe ich auch keine Lösung. Aber ich bin mir in einem sicher: Prävention ist der Schlüssel im Kampf gegen Ebola.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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