Archiv für den Monat: Januar 2015

Greater Ebola infection risk for women?

A discussion on Twitter has made me pursue the question if women and men have a different risk of contracting Ebola. Already previously I had heard various theories. One said, for example, that women in West Africa have traditionally the role of being the care-giver within the family.

A Sierra Leonean colleague told me that if she herself would become sick, she has to rely on the mother of her husband. Her husband would not even participate in the care. This seems to indicate that women have to bear a greater risk. Additionally children are also associated usually stronger with mothers. If a child gets Ebola the mother is exposed to a high risk. The UN, for example, already integrated a gender-sensitive approach in their fight against Ebola.

But what do statistics say? Ugochi Daniels from UNFPA (United Nations Population Fund) said on Ebola Deeply, that the mortality rate of pregnant women suffering from Ebola is extremely high: 90%.
This means that a pregnant woman suffering from Ebola is practically sentenced to death  together with her unborn child. Overall the rate is at 70%.

The WHO Ebola response team, however, has in the last published report found no evidence that women do have a lesser survival rate than men. 51% of confirmed and probable cases of Ebola were male, 52% of the fatal cases were male, and 49% of the convalescent cases. Thus, the statistics show: Ebola is encouragingly gender-balanced.

I do not want to say that therefore possibly special needs of women should be ignored in the Ebola-Response. Pregnant women and mothers should get special attention, in my view, because their survival is directly linked with the life of two people. Nevertheless, the figures show that we have to look exactly on the cases if we want to fight Ebola. We should not act on assumptions even if it sounds tempting for a NGO to focus on the supposedly vulnerable group of the female half of the population.

This article is a translation of Julias original article in German language.

Philippe

Philippe translates Julias articles to English language so that more people can have access to her reports and information.

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Sind Frauen stärker von Ebola gefährdet als Männer?

Eine Diskussion auf Twitter hat mich die Frage verfolgen lassen, ob Frauen und Männer ein unterschiedlich großes Risiko haben, Ebola zu bekommen. Schon bevor die Diskussion auf Twitter begann, hatte ich dazu verschiedene Theorien gehört. Eine besagte zum Beispiel, dass Frauen in Westafrika traditionell die Rolle der Krankenpflege innerhalb der Familie übernehmen.

Eine sierra-leonische Kollegin hat mir erklärt, dass sie, wenn sie selbst krank wird, auf die Hilfe der Mutter ihres Ehemannes angewiesen ist. Ihr Mann selbst würde sich an der Pflege nicht beteiligen. Das scheint erstmal darauf hinzudeuten, dass Frauen einem größeren Risiko ausgesetzt sind. Hinzu kommt noch, dass Kinder auch hier meist stärker auf Mütter fixiert sind. Erkrankt ein Kind an Ebola, ist die Mutter einem sehr hohen Risiko ausgesetzt. Die UN haben zum Beispiel bereits einen gender-sensiblen Ansatz in ihren Kampf gegen Ebola integriert.

Aber was sagen die Zahlen? Ugochi Daniels von UNFPA (United Nations Population Fund) sagt auf Ebola Deeply, dass die Sterblichkeitsrate von an Ebola erkrankten Schwangeren extrem hoch ist: 90%. Das bedeutet, dass eine schwangere Frau, die an Ebola erkrankt, praktisch zum Tode verurteilt ist – gemeinsam mit ihrem ungeborenen Kind. Zum Vergleicht: Insgesamt lag die Rate bisher bei „nur“ ca. 70%.

Das WHO Ebola Response Team hat im letzten veröffentlichten Report hingegen keinen Hinweis darauf gefunden, dass Frauen schlechtere Überlebenschancen haben als Männer. 51% der bestätigten und wahrscheinlichen Ebola-Fälle bisher waren männlich, 52% der tödlich verlaufenen Fälle waren männlich, und ebenso 49% der genesenen Fälle. Die Statistiken zeigen also: Ebola ist erfreulich gender-balanced.

Damit will ich natürlich nicht sagen, dass deshalb die möglicherweise bestehenden besonderen Bedürfnisse von Frauen in der Ebola-Response ignoriert werden sollten. Schwangeren und Müttern zum Beispiel sollte aus meiner Sicht allein deshalb unsere besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, da von ihrem Überleben eben das Leben von zwei Menschen abhängt. Trotzdem zeigen die Zahlen, dass man eben genau hinschauen muss, wenn man Ebola bekämpfen möchte. Auf reine Annahmen sollte man sich nicht verlassen, auch wenn es noch so verlockend für jede NGO klingt, sich auf die vermeintlich besonders verletzliche Gruppe der weiblichen Hälfte der Bevölkerung zu konzentrieren.

Dieser Artikel ist auch auf Englisch verfügbar

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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Ebola Tragödie in Devil Hole: Die Folgen eines vermeindlich negativen Tests

In den letzten Tagen des Jahres 2014 hat sich ein dramatischer Ebola-Fall in Western Area abgespielt. Über 100 Personen wurden in einer einzigen Siedlung unter Quarantäne gestellt. Ich möchte hier kurz den Hergang der Vorfälle schildern:

Mrs Isa Tullah, Bewohnerin von Devil Hole/Zimi wurde als Ebolaverdachtsfall in das Krankenhaus Maccauley Street in Freetown eingeliefert. Es wurde Blut abgenommen und die Proben wurden im Zentrallabor untersucht. Ergebnis: Negativ. Die Ärzte haben sie folglich am 22.12. aus dem Krankenhaus entlassen. Am 25.12. war die Frau tot. Da ja aber bestätigt worden war, dass es sich NICHT um Ebola handelt, kamen Freunde, Verwandte und Nachbarn, um sich zu verabschieden, so wie es die Tradition vorsieht.

Am 27.12. werden die ersten Nachbarn krank. Trotzdem dauert es noch bis zum 02.01., bis im Rahmen der „Western Area Surge“, einer 4-wöchigen Social Mobilisation Aktion der Regierung, offenbar wird, dass sich mehr als 30 Ebola-Verdachtsfälle in Devil Hole befinden. Bis gestern waren davon 28 als positiv bestätigt.

Dieser einzelne Fall illustriert, wie es immer wieder zu schlimmen Rückschlägen kommt im Kampf gegen Ebola. Ein einziger Fehler – vielleicht wurde der Bluttest verwechselt, vielleicht hat einfach ein Test mal versagt, vielleicht hat ein Angestellter des Labors einen Fehler gemacht – und schon sind 28 Menschen mehr infiziert. Ebola verzeiht keine Fehler.

Auf twitter habe ich darueber geschrieben und es ist eine interessante diskussion entstanden.

Wir von der Welthungerhilfe unterstützen jetzt die Familien in Quarantäne mit Nahrungsmittel-Paketen. Devil Hole wird in Zukunft in unser eigenes Projekt zur Social Mobilisation integriert um zu verhindern, dass es nochmal zu einer derartigen Tragödie kommen kann. Der Fall zeigt außerdem, dass es tatsächlich nötig ist, ALLE Verstorbenen einer „Sicheren und würdevollen Bestattung“ zuzuführen. Das Risiko ist einfach zu groß, dass ein Fehler im Labor zahlreiche weitere, vermeidbare Todesfälle nach sich zieh.

Über den Fall in Devil Hole wird morgen, Dienstag, 06.01. im „ZDF heute journal“ berichtet, wobei die Arbeit der Welthungerhilfe im Fokus stehen wird. Wer also mal alles in Farbe und bewegten Bildern sehen will, ist herzlich dazu aufgefordert, um 22.25 Uhr einzuschalten.

Dieser Artikel ist auch auf Englisch verfügbar

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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Rescued and forgotten?

By now there are several thousand people which have been cured from Ebola and have been released from hospitals. Here they are called survivors. But how does the live of a survivor proceed?

Survivor Abie Forna, age 35, with her husband
Survivor Abie Forna, age 35, with her husband By User:JuliaBroska [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

At the moment of leaving the hospital they should obtain an official certificate which states they are healthy. Additionally they should receive a packet with vitamins and medicine to strengthen their body. At least in theory. Personally I have met survivors which did not receive any of the above. Often they still have been very weak. I do not know how much time it will take to completely recover. This will probably also depend from various things such as the individual constitution of the patient, age, history of diseases, and more… In fact I have even heard that for a healthy person who receives quick help the chances of surviving Ebola are not so bad after all. Since in many cases the victims are poor, living in precarious hygienic conditions and often were not previously in good health, even quick help will not be enough.

In addition survivors often return to very difficult family relationships. Often other family members are ill or even dead. Frequently that includes the head of household and breadwinner. Families were also at least 21 days under quarantine and have consequentially lost all their earnings. Theoretically also post-quarantine households should receive a supportive food package but so far it seems to happen only on rare occasions. And from a food package alone people will not get a new job.

According to the NGO „Médecins sans Frontières‘ (MSF) about 30 people have survived the infection by the Ebola Virus in Guinea. They try to keep themselves and their fate in the background. Because if their story would be known, they and their families would face exclusion, expulsion and attacks.

In short, the survivors are celebrated as heroes on paper but in practice they are abandoned. A few local NGOs have taken initiatives to involve survivors in awareness campaigns. I welcome this very good initiatives personally. Rene raised the question during an interview with me if survivors are immune to Ebola. Meanwhile, I have the answer: Yes, they are immune! This means there is great potential to involve survivors in nursing care.

Happy are those who have defeated the aggressive and dangerous viral disease without serum. Among them the willingness is great to help others, so Charbonneau. This is especially true for people who have some form of a medical background. „These people are very interested to contribute their knowledge and communicate. This is a very big opportunity, „says Charbonneau. „You could, for example, help orphans or children who are still in hospitals and are under quarantine.

The Welthungerhilfe has launched its first project which involves the reintegration of survivors funded by the german Federal Ministry for Economic Cooperation and Development. They deserve better than to be forgotten.

Philippe

Philippe translates Julias articles to English language so that more people can have access to her reports and information.

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