Archiv für den Monat: Januar 2015

Chinas Hilfe für Sierra Leone im Kampf gegen Ebola

Kürzlich im Supermarkt bin ich zwei hilflosen Chinesen begegnet. Sie wollten Zigaretten kaufen, konnten aber beide kein Wort Englisch. Da war es natürlich schwierig, sich über die Preise zu verständigen. Für mich eine willkommene Gelegenheit, mal wieder etwas Chinesisch zu sprechen. Die beiden kamen vom „Medizinischen Hilfsteam der Chinesischen Volksbefreiungsarmee für Sierra Leone“.
Chinese Army active in Sierra Leone during the Ebola Outbreak

Durch diese Situation aufmerksam geworden, habe ich mal versucht zusammen zu tragen, was ich über das Engagement Chinas im Kampf gegen Ebola so finde.
Zunächst bin ich dabei auf folgende Graphik (via vox) gestoßen:

Was die versprochenen Hilfsgelder angeht, liegt China im Mittelfeld verglichen mit anderen Geberländern. Was allerdings bis Ende Dezember tatsächlich investiert wurde, stellt China leider in ein anderes Licht. Gerade heute haben es neue Versprechen seitens China auf die Titelseite der Tageszeitung Awoko geschafft

"China verspricht support für Sierra Leone" - Awoko Titelseite
„China verspricht support für Sierra Leone“ – Awoko Titelseite

"China verspricht Support für Sierra Leone" - Awoko Artikel
„China verspricht Support für Sierra Leone“ – Awoko Artikel

Das Verhältnis von China und Sierra Leone scheint auf den ersten Blick nicht ganz unbelastet, denn Sierra Leone gehört zu den Ländern, die in den vergangenen Jahren stark von Land Grabbing betroffen waren. Die Entwicklungspolitik Chinas wird für solche Vorgänge immer wieder verantwortlich gemacht.
Andererseits gibt es auch positive Beispiele von Chinesischer Hilfe in der Zeitung, z.B. die Unterstützung eines Waisenhauses oder die Finanzierung von Aufklärungs-Anzeigen in der Tageszeitung

Werbeanzeige zur Ebola Prävention
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Zeitungsartikel über chinesische Unterstützung eines Waisenhauses in Sierra Leone
Zeitungsartikel über chinesische Unterstützung eines Waisenhauses in Sierra Leone

Darüber hinaus wird berichtet, dass die mehr als 100 Millionen US Dollar die größte Hilfsleitung für einen Humanitären Einsatz in Übersee ist, die die chinesische Regierung jemals geleistet hat.

Ich persönlich kann nur sagen, dass ich hier äußerst selten auf chinesische Vertreter von Hilfsorganisationen und Gebern oder Regierungsvertreter treffe. Aufgrund Sierra Leones Kolonialgeschichte sind die Briten hier sehr aktiv, USA sind natürlich auch groß dabei, und was die großen NGOs angeht, so sind sie alle europäischen oder nordamerikanischen Ursprungs. Das ist zumindest mein Eindruck. Das Verhältnis der chinesischen Regierung zu Entwicklungshilfe bleibt aus meiner Sicht ein fragwürdiges, auch nach Ebola.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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Psycho-soziale Hilfe für Ebola-Opfer

Vor einigen Tagen hatte ich die Ehre, dem Distrikt Kailahun einen Besuch abzustatten. Kailahun liegt ganz im Südosten des Landes, an der Grenze nach Guinea. Es war mein erster Besuch dort. Ich konnte Frau Doris Mansaray vom Ministerium für Soziale Wohlfahrt für eine kurze Videoansprache gewinnen. Sie erklärt im Video, wo die Aufgabenbereiche des Ministeriums in der Antwort auf Ebola liegen und benennt Probleme, die im Distrikt aufgekommen sind. Ich möchte hier kurz schriftlich zusammenfassen, welche Problembereiche sich im Gebiet „psycho-soziale“ Hilfe ergeben haben, und auch Berichte anderer Distrikte mit einbringen, die Doris‘ Ausführungen ergänzen. Meine Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, insbesondere, da z.T. leider täglich neue Probleme entstehen.

Zum einen gibt es das Problem der Familienzusammenführung, vor allem wenn Kinder an Ebola erkrankt sind. Kinder werden zur Behandlung in Kailahun von ihren Familien getrennt. Ebenso werden erkrankte Mütter separiert. Das führt zu dem offensichtlichen Problem, dass durch Quarantäne in Isolierstationen und Behandlung in Krankenhäusern auseinander gerissene Familien wieder zusammen geführt werden müssen, wenn die Quarantäne vorbei ist oder ein Kraker geheilt entlassen wird. Dies gelingt nicht immer. So ist mir ein Fall bekannt aus Western Area Rural, wo die Mutter eines Kleinkindes 2 Wochen nach dessen Abholung durch das Surveillance-Team nichts von dessen Verbleib wusste. Die schürt verständlicherweise den Wiederstand in der Bevölkerung gegen Quarantänemaßnahmen.

Leider kam es auch in Kailahun als auch andernorts vor, dass die Angehörigen eines Verstorbenen nicht informiert wurden. Es wurde hier von einem Fall berichtet, in dem eine Familie zwei Monate nach dem Tod ihres Kindes noch nicht informiert worden war! Offensichtlich gab es für diese Angehörigen also auch nicht die Möglichkeit, der Beerdigung beizuwohnen.
Ein weiteres Problem sind Waisenkinder. Ich habe zwischenzeitlich ein sogenanntes „Interim Childcare Centre“ besucht. Ebola hat viele Waisenkinder im ganzen Land hinterlassen. Wer sich in Zukunft um sie kümmern wird, ist unklar.

Auch in Kailahun kam das Problem der Teenager-Schwangerschaften zur Sprache. Auch hier wurden zahlreiche Mädchen geschwängert seit die Schulen geschlossen sind. Allerdings hat mir ein Arbeitskollege berichtet, dass dieses Problem auch vor Ebola groß war. Ich weiß also nicht, inwieweit sich die Lage wirklich verschlimmert hat.

Auch die „Überlebenden“, also als geheilt entlassene Ebola-Fälle, stehen vor Versorgungs-Problemen. Fast ihr gesamter Besitz muss vernichtet werden durch Dekontaminations-Teams, um das Überleben von Ebola-Viren zu verhindern. Wenn die Überlebenden zurückkommen, stehen sie vor dem Nichts. Da sich die internationale Gemeinschaft im Moment stark auf die Behandlung und Versorgung der akuten Fälle konzentriert, gibt es in vielen Distrikten noch kein organisiertes Auffangen von Überlebenden.

Aber viel besser als ich das als Außenstehende jemals könnte, schildert Doris das Problemfeld:

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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Wohin mit den Kindern? – Ein Besuch in einem Interim Childcare Centre

Im Distrikt Kailahun haben wir heute ein Interim Childcare Centre (ICC) besucht. Es handelt sich um ein Gebäude, in dem ursprünglich von Kriegs-Folgen betroffene Kinder untergebracht und betreut wurden. Von Plan International wurde das Gebäude rehabilitiert und wird nun vom Ministerium für Soziale Wohlfahrt betreut. Die Mitarbeiterinnen arbeiten unentgeltlich auf freiwilliger Basis. Im Rahmen des Unterstützungsprogramms für zivilgesellschaftliche Organisationen will die Welthungerhilfe versuchen, die Mitarbeiterinnen zumindest in ein food-for-work Programm zu integrieren.

Onion distribution while ebola outbreak

Anlass unseres Besuchs war folgender: Unsere Essenspakete für Quarantänehaushalte enthalten auch einige wenige verderbliche Lebensmittel, z.B. Zwiebeln. Es ist beim Einkauf immer eine Gratwanderung: Einerseits möchte man für den Notfall startklar sein, andererseits sollen natürlich keine gelagerten Lebensmittel verderben. Da Kailahun Ebola zurzeit gut im Griff hat, kam es zu fast keinen weiteren Quarantänemaßnahmen. Gleichzeitig stapelten sich in unserem Lagerhaus noch 35 Sack Zwiebeln. Also haben wir beschlossen, die Zwiebeln zum ICC zu bringen. Dort können sie noch einem sinnvollen, Ebola-bezogenen Zweck zugeführt werden.

Onion distribution to in Kailahun for the interim care center

Das ICC hat zwei Gebäude: In einem werden Kinder von Quarantänehaushalten und bestätigten Krankheitsfällen untergebracht und 21 Tage lang unter Beobachtung gestellt. Diese Kinder werden von Überlebenden betreut, die nun gegen Ebola immun sind. Im zweiten Gebäude kommen Kinder unter, die ihre Eltern durch Ebola verloren haben, darunter einige Kinder, die selbst Ebola überlebt haben.

Children in Interim care center

Ein Fall ist besonders tragisch: Ein eineinhalb jähriger Junge hat seine Mutter als auch seinen Zwillingsbruder an Ebola verloren. Der Junge selbst hat Ebola überlebt und leidet unter dem Down-Syndrom. Er braucht dringend qualifizierte medizinische Hilfe. Das einzige Krankenhaus, das dafür in Frage kommt, ist allerdings in Freetown, praktisch am anderen Ende von Sierra Leone. Die Mitarbeiter versuchen nun, das Kind irgendwie nach Freetown zu transportieren. Aber wann das passieren wird, ob die Kapazitäten für eine qualifizierte Behandlung tatsächlich vorhanden sind, wer das bezahlen wird und wo der Junge dauerhaft untergebracht werden soll, ist unklar.


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Ebola hinterlässt eine schier unüberschaubare Zahl sozialer Probleme in einem Land, dem es wirtschaftlich gesehen ohnehin nie gut ging. Solche dramatischen Einzelschicksale sind nur die Spitze des Eisbergs.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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Who are our beneficiaries: the people sick with Ebola or the people still healthy?

Recently I had an interesting discussion with one of my colleagues: Who are the beneficiaries of our intervention? Of course you’re first thinking of the sick. People who contracted Ebola have to be treated and – if possible – cured. You think of the families in quarantine that anxiously expect the end of their incubation period, hoping not to show symptoms themselves. This way of thinking is expressed as well by the Time Magazine, announcing Ebola fighters as the TIME person of the year 2014, emphasizing the achievements of the medical personnel. They are the ones with a real an eminent danger of contracting Ebola themselves.

On the other hand contracted less than 7,000 Sierra Leoneans EVD so far. With a total population of approximately 5 million. A target group of 7,000 people can be called manageable. But unfortunately, the opposite is the case: The 4,993,000 Sierra Leoneans that stayed uninfected until now are our target group. To protect the healthy from infection is the main objective. And that is not the task of doctors or nurses. Other things are needed here:

  • Creating awareness
  • Education
  • Changing behavioural habits
  • Coordination and logistics

Prevention is the key. That is a message being distributed by the government as well:

Stop Ebola Campaign by Sierra Leona government. von User:JuliaBroska [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

But of course it is less attractive to walk from house to house distributing leaflets than caring for the sick and the needy, dressed up like an astronaut. The same concept was found valid in the fight against HIV: Donor prefer investment in HIV drugs over simply distributing condoms. The Gates Foundation makes the following statement:

Our largest investment is in efforts to discover and develop an HIV vaccine.

Without knowledge of the figures, my impression is the following: The majority of donors, UN bodies and NGOs focussed on the medical sector in the Ebola Response. Treatment centre are being built almost overnight, there is heavy investment in vaccines and treatment research, physicians from all over the world are being recruited. That fits to the UN Mission for Ebola Emergency Response (UNMEER) (UN Resolution 2177 of the UN Security Council).

Their main task is the logistical distribution of treatment centres, vehicles and telecommunication equipment in the countries affected the hardest by Ebola.

Those activities involve high costs. But they will not change the fact that the probability of survival of the 7,000 infected are highly dependent on chance and on their general health condition. On top of that, most activities are implemented extremely slowly and their results will not impact the current crisis, it is rather a provision for future ones.

What is needed on a much bigger scale is social mobilization, well planned and organised. The people have to wake up. Social control is needed. Certain behaviours have to stop. Each and every Sierra Leonean, who refuses an invitation to a burial, is a hero. Each and every one who keeps her door shot to visitors, is a hero. Everybody avoiding body contact even to close friends, is a hero.

I see many parallels to the HIV epidemic for example in South Africa. There I heard people saying: “Our traditions are older than HIV. We will not change our behaviour.” But new infectious diseases can kill the holder of the tradition. The other way around is certainly less common.

This article is a translation from the original German version.

Julia Broska

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Tragedy in Devil Hole: The aftermath of a wrong test result

In the last days of 2014, a dramatic case of Ebola in the Western Area happened. More than 100 people were quarantined in one single village. I will summarize the timeline:

Mrs Isa Tullah, living in Devil Hole/Zimi was brought to the hospital in Maccauley Street, Freetown, as suspected Ebola case. They took a blood sample and the blood was tested in the Central Lab. Result: negative. Logically, the doctors discharged her on the 22nd December. She died three days later on the 25th. But since the result was negative, the family was sure it was NOT Ebola and invited family, friends and neighbours in order to bid farewell to her, as requested by local customs.

On the 27th neighbours started displaying the first symptoms. But it was not before the 2nd January that in the course of the “Western Area Surge”, a governmental mass social mobilization, it was discovered that more than 30 suspected cases had emerged in the said community. 28 already confirmed as positive.

This single case study illustrates how the fight against Ebola suffers from drawbacks again and again. One single mistake – maybe a blood test got mixed up, maybe a test failed, maybe laboratory staff made a mistake – and immediately 28 people are infected. Ebola does not forgive mistakes.

I twittered about that incident, which led to an interesting discussion.

We from Welthungerhilfe immediately offered our support in form of food kits to the quarantined families in Devil Hole. On top of that, the community will be integrated into our own Social Mobilisation project in order to avoid another tragedy. The case illustrates that it is indeed necessary to insure that ALL dead are buried in a “safe and dignified” way. The risk is too high that a previous mistake causes more, avoidable deaths.

This article is an English translation by Julia. Find the original German article.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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Die Aufgaben des Ministeriums für Soziale Wohlfahrt, Gender und Kinder während der Ebola Krise

Dies ist meine Deutsche Übersetzung des Interviews mit Doris Mansary die Regionale Trainings- und Aufklärungs-Beauftragte des Ministeriums für Soziale Wohlfahrt, Gender und Kinder. Wenn ihr das Video abspielt könnt ihr durch den Klick auf CC die Untertitel auch auf deutsch stellen.

Ich bin Doris Mansary, die Regionale Trainings- und Aufklärungs-Beauftragte des Ministeriums für Soziale Wohlfahrt, Gender und Kinder. Als Ministerium stehen wir der psycho-sozialen Säule vor. Diese ist allgemein bekannt als die Kinderschutz, Soziale Wohlfahrt und Gender Säule. Es ist eine der Säulen die die Ebola Task Force des Distrikts Kailahun bilden. Als Ministerium führen wir viele Aktivitäten durch gemeinsam mit Akteuren des Kinderschutzes.

Unsere Säule ist verantwortlich für die psycho-soziale Unterstützung von Ebola-Überlebenden, aber auch für betroffene Familien und Kinder, die in von Ebola betroffenen Familien leben. Wir haben eine Serie von Komponenten und Aktivitäten im Blick. Ich möchte über den FTRR Aspekt sprechen, Familien finden und zusammen führen, der von unserer Säule durchgeführt wird. Wir haben eine Kooperation mit Ärzte ohne Grenzen, die für die Behandlung von Ebola-Infizierten verantwortlich sind. Manche erreichen das Behandlungszentrum alleine mit ihren Kindern. Manche der Kinder sind tatsächlich auch positiv, andere aber noch negativ.
Wir betreiben zwei Häuser. Als Ministerium leiten wir das OICC, Beobachtungs-Interim-Pflegezentrum, und dann das Interim-Pflegezentrum. Wenn Kinder mit ihrer Familie in Quarantäne sind, greifen wir ein als Ministerium und bitten darum, uns die Kinder zur Beobachtung zu übergeben. Im Beobachtungs-Zentrum überwachen wir sie dann für 21 Tage, genau wie in der normalen Familien-Quarantäne. Nach einer Beobachtung von 21 Tagen werden die Kinder wieder mit ihren Familien vereint, wenn sie keine Symptome zeigen. Zeigen sie aber Symptome, rufen wir automatisch Ärzte ohne Grenzen an, da wir als Ministerium mit ihnen diese Partnerschaft eingegangen sind. Ärzte ohne Grenzen kommunizieren dann mit dem Gesundheits-Management-Team, so dass eine Ambulanz geschickt wird und das erkrankte Kind abholt und in das Behandlungszentrum bringt.
Im Beobachtungs-Zentrum haben wir Ebola-Überlebende angestellt. Ebola-Patienten sind keine Bedrohung für sie. Im Beobachtungs-Zentrum arbeiten drei Überlebende, die die Kinder in Quarantäne pflegen und auch die Kinder, die aus der Quarantäne entlassen wurden. Im Falle, dass sie doch Symptome entwickeln, können die Ebola-Überlebenden zumindest mit ihnen arbeiten bis sie von der Ambulanz abgeholt werden.

Im Interim-Pflegezentrum leben Kinder, die sich mit Ebola angesteckt hatten, aber mittlerweile als geheilt entlassen wurden. Für eine Übergangszeit kommen sie zu uns. Wir bieten ihnen psychologische Hilfe an, sprechen über ihre Probleme und helfen ihnen, sich von der belastenden Situation, der sie im Behandlungszentrum ausgesetzt waren, zu erholen. Wir lassen sie natürlich auch spielen, denn Spielen hilft den Kindern sehr dabei, sich wieder zu erholen. Gleichzeitig beginnen wir damit, ihre Familien zu suchen. Da viele Kinder mit ihren Eltern ins Behandlungszentrum kommen, sind einige zu Waisen geworden. Sobald sie ins Interim-Pflegezentrum kommen, beginnen wir damit, ihre Familien ausfindig zu machen. Wenn wir ihre Familien identifizieren können, vereinen wir die Kinder wieder mit ihren Verwandten in den lokalen Gemeinden. Vielleicht haben Sie bemerkt, dass hier nicht sehr viele Kinder leben zurzeit. Das liegt daran, dass wir die Kinder so schnell wie möglich zu ihren Familien zurückführen. Das ist ein Aspekt den wir bearbeiten im Rahmen der psychosozialen Säule im Kampf gegen Ebola.

Ein zweiter Aspekt ist das Problem der Stigmatisierung. Frauen, Kinder oder Familien, die von Ebola geheilt wurden haben oft Probleme, wenn sie in ihre Gemeinden zurückkehren. Aus Angst vermeiden die anderen Dorfbewohner die ehemaligen Patienten, sie wollen sie nicht wieder in ihrer Gemeinde akzeptieren. Sie vermeiden sie, sie wollen nicht länger etwas mit ihnen zu tun haben. Natürlich fühlen sich die Opfer diskriminiert. Als Ministerium haben wir andere Akteure identifiziert, die sich im Bereich Schlichtung und Trost spezialisiert haben. Das Rote Kreuz Sierra Leone hat 70 Gemeinde-Schlichter, die psychologische erste Hilfe leisten. Das Ministerium arbeitet mit anderen Akteuren, wie z.B. Save the Children International, Plan Sierra Leone. Wir stärken außerdem die Kapazität der Gemeinde-Schlichter. Wenn es Fälle von Stigmatisierung gibt, kommen die Gemeinde-Schlichter und bieten schlichtende und unterstützende Gespräche an. In extremen Fällen, wenn ein Bedarf für persönliche Beratung besteht, können sich Menschen an uns wenden und wir arrangieren eine Beratung unter vier Augen. Wir haben auch Fälle von geheilten Patienten, die sich danach nicht normal verhalten, im psychologischen Sinne. Wir beobachten auch andere klinische post-Ebola-Symptome. Manche klagen über Probleme mit den Augen, andere fühlen sich nicht normal. Manche verhalten sich absonderlich. Manche klagen über Schmerzen im Körper. Das sind alles Symptome, die nach der Heilung auftreten können. In solchen Situationen bieten wir Beratungen unter vier Augen an, helfen ihnen, bis sich ihr Zustand stabilisiert hat und sie zurück in ihre Gemeinden können.
Ein weiterer Aspekt unserer Arbeit sind Hilfspakete, die wir Kindern im Interim-Pflegezentrum bei ihrer Entlassung mitgeben. Das Hilfspaket besteht aus gebrauchter Kleidung, Küchenutensilien, Spielzeug wie Bälle oder Teddy Bären. Diese Dinge kommen alle in das Paket. Die gleiche Unterstützung bekommen Kinder, die während der Quarantäne in betroffenen Familien verblieben sind.

Und für die Überlebenden arbeitet das Ministerium mit UNICEF zusammen. Vor zwei Wochen hatten wir eine Ebola-Überlebende-Konferenz. Überlebende aus dem Distrikt Kailahun haben ihre Erfahrungen mit uns geteilt, sie haben uns genau erzählt, was sie durchmachen musste, als sie erfahren haben, dass sie Ebola haben, als sie dann behandelt wurden, und auch, was sie durchmachen mussten nach ihrer Entlassung. Die Überlebenden haben uns außerdem gezeigt, wie sie als Botschafter im Kampf gegen Ebola eingesetzt werden können, um Ebola ein für alle Mal aus Sierra Leone zu vertreiben. Und als die Konferenz zu Ende war, hatten wir auch ein Hilfspaket für sie. Denn wenn jemand als symptomatisch in ein Behandlungszentrum gebracht wird, wird der Haushalt desinfiziert. Das Desinfektionsteam muss dabei einen großen Teil des persönlichen Beisitzes zerstören. Wenn Patienten wieder gesund werden haben sie oft einen Großteil ihres Besitzes verloren. Das Ministerium für Soziale Wohlfahrt hat gemeinsam mit UNICEF ein Hilfspaket zusammengestellt, um in diesen Fällen zu helfen. Es besteht aus Second Hand Kleidung, Matratzen, Eimern, Reis. Diese grundlegenden Dinge stellen wir zusammen und wir suchen immer noch nach Partnern die uns weiter unterstützen können, denn wir können nicht das gesamte während der Desinfektion verlorene Eigentum ersetzen. Noch vor kommendem Wochenende wollen wir außerdem finanzielle Unterstützung anbieten. Es wird nur ein kleiner Betrag sein, eher eine Geste. Sie machen viele Probleme durch in ihren Gemeinden. Neben den Hilfsmaterialien, die sie benötigen, brauchen sie auch jemandem, mit dem sie über all ihre Probleme sprechen können. Manche Menschen haben bis zu 25 Angehörige an Ebola verloren.

Wir haben Waisen, so viele Waisen aufgrund von Ebola. Die Kinder verbleiben meist in ihren Dorfgemeinschaften, sie bleiben bei anderen Familienmitgliedern, aber bedenken Sie: Jedes Kind ist eine zusätzliche Belastung für die Familie, die sie aufnimmt. Zum Beispiel hatten wir hier eine Familie, die fünf Kinder aufgenommen hat, zusätzlich zu ihren eigenen Kindern, das ist schon eine ernste Belastung. Das wird eine Menge sozialer Probleme verursachen. Es geht um Hilfsmaterialien, es geht um psychologische Beratung. Das ist wirklich ernst und wir als Ministerium suchen weiterhin die Unterstützung weiterer Partner, die mit an Bord kommen möchten. Wie z.B. die Welthungerhilfe, die sich hier wirklich nützlich gemacht hat.

Die Kinderbetreuerinnen hier arbeiten alle auf freiwilliger Basis. Aber natürlich haben sie auch ihre eigenen Familien. Wir verhandeln mit Akteuren und suchen jemanden, der ihnen eine Vergütung anbieten kann, vielleicht in Form von Nahrungsmitteln oder in irgendeiner anderen Form, nur um sie sorgenfreier ihrer Arbeit mit den Kindern nachgehen lassen zu können.
Das sind die grundlegenden Dinge, die wir tun, wenn wir über die psychosoziale Säule sprechen im Kailahun Distrikt.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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The role of the ministry of Social Welfare, Gender and Children Affairs in the Ebola Outbreak

Julia has interviewed Doris Manary the Regional Training and Advocacy Officer for the Ministry of Social Welfare, Gender and Children Affairs. Together with Julia I have transcribed the video and added subtitles for a better understanding.

I am Doris Mansary, the Regional Training and Advocacy Officer and I work for the Ministry of Social Welfare, Gender and Children Affairs. As a ministry we are heading the psychosocial pillar. It is commonly known as the child protection, social welfare and gender pillar. It is one of the pillars that make up the Ebola Task Force Team in Kailahun District. And so we have a lot of activities that we do as a ministry together with child protection agencies.

Our pillar is responsible to ensure or provide psychosocial support for Ebola survivors but also Ebola affected families and children that are within Ebola affected families. What we do is, we have a series of components and activities that we look at. I would like to talk about the FTRR aspect, the Family Tracing and Reunification aspect which our pillar is also doing. We had an agreement with MSF (medicals sans frontiers) who is responsible to treat Ebola infected persons. Once they arrive at the MSF Treatment Centre they come alone with children. Some children are indeed positive of Ebola, others are negative.
So we have two houses that we are running. As a ministry we are running the OICC, Observational Interim Care Centre and then we have an ICC that we refer to as the Interim Care Centre. Now for the Observational and Interim Care Centre. This is when children and families are in quarantine, we go in as a ministry and ask them to hand over the children to come to the Observation and Interim Care Centre. It is in this centre where we also monitor them for 21 days like the usual what family members go through. So once we are able to observe them for 21 days and they are not symptomatic at all we work with the families again and we reunify them back to their families. But in the event where they are symptomatic, like when they are going to the Observation and Interim Care Centre we automatically call MSF because we have that establishment between MSF and the Ministry of Social Welfare. So we call on MSF and they will communicate to the districts’ Health Management Team so they send an ambulance and pick up the child that becomes symptomatic in the OICC.

In the Observational Interim Care Centre we have employed the services of survivors – Ebola survivors. So patients oppose no threat to them. We have like three working in the Observational Interim Care Centre who provide care for children who are under quarantine or children that are discharged as non-case. So if they become symptomatic at least the Ebola survivors who work with them can manage them until they are picked up by the ambulance.

And for the Interim Care Centre these are children who are infected by the Ebola virus but they got cured from the Treatment Centre and we receive them and they come into the ICC for a transition period. While they are at the ICC we provide psychosocial counselling services for them to talk about their issues, help them to recover from whatever stressful situation they experience while they were at the Treatment Centre. We also introduce them to play, the right to play, because we know recreation helps them a lot to recover. At the same time we start family tracing for other family members. Because some children who come to the Treatment Centres with their families had parents who died in the Treatment Centre. So the kids become orphans. Once they come to the Interim Care Centre we start family tracing. When we are able to identify the family members we reunify them back into their family at the local communities. So you come to realize that we don’t have too many children in the Interim Care Centre. This is because we reunify them as soon as we identify their families. So that is one aspect of what we do in the sense of psychosocial support to fight this Ebola.

The second aspect is: There is this issue of stigma and shame. There are women or children or families who get cured from Ebola. When they go back to their communities, out of fear community people don’t want to accept them back. They shun away from them. They don’t want do associate longer with them. So they feel discriminated at. So what we are doing as a ministry, because we are working together with other child protection agencies, we have agencies that we have identified who are professional people in counselling. So the Sierra Leone Red Cross has up to 70 community counsellors on psychosocial first aid. Now the ministry works with other agencies like Save the Children International, Plan Sierra Leone. We also build the capacities of community people. So when there is this issue of stigma and shame these community counsellors go in and provide supportive talks. In a situation where we have extreme cases where someone is in need for a personal counsellor then they can refer to us and we provide one to one counselling. We have instances where some ladies got cured and they started behaving abnormal as if they are becoming crazy. We also observe post Ebola symptoms that were identified as medical symptoms. Some are coming, they are having problems with their eyes, eye sight problems. Some complain that they don’t feel normal. Some are behaving abnormally. Some continue to complain body pains. These are all issues that they are having even if they are cured. So for situations like that we provide one to one professional counselling with the client, talk to them, help them, until they are stabilized and they go back to their community.
And as a relieve aspect in the work that we do, for every child that comes into the ICC, when the child goes to reunification, we put a package together that we refer to as reunification package. And the child goes with that package. In that package there are just basic materials that are there, used clothing, kitchen utensils, those are basic things. Recreation materials like balls, teddy bears, they are all in that package. So we give that bag, they go along. At the same time we also provide the same support to children that are within affected families in the communities.

And now, for the survivors, what the ministry has done, we work together with UNICEF for the Ebola survivors. Some two weeks ago, we had an Ebola survivors’ conference, where the survivors converged in Kailahun District and they shared their experience with us. Tell us exactly what they went through when they told them that they had Ebola, when they were in the Treatment Centre what they went through and now that they are recovered. But also in that conference the survivors were able to tell us how they can act as ambassadors to help fight Ebola once and for all in Sierra Leone. So it was a very useful conference that we had with them. But when they were leaving we also had a package that we gave to them. When they identify somebody who is symptomatic, if they go to disinfect the community or the house, they will destroy personal properties. The disinfection team. It’s not deliberate, it’s just the ideal situation. So when this people come back when they recover they have lost a lot of their personal properties. The Ministry of Social Welfare together with UNICEF decided to put a package together to see how we can help. It is comprised of used clothing, matrasses, buckets, rice. Those basic things we put together and we are still searching the support of other people to come in because we cannot match up with all the property they lose during the time of disinfection. So, we also provide that kind of service and maybe before this weekend we are also going to provide some kind of financial support. It’s something small, it’s just to appease them. They are going through a lot of problems in the community. On top of all the materials supporting them, they require also people to talk them through their problems all the time. Because there are some family members who will tell you they lost up to 25 people to Ebola.

We have orphans, so many orphans now as a result of Ebola. And so this children are in their communities, they are with other family members, but remember, it’s an additional burden for this family member who is taking, like the family we have now, they take five children, add them to your own children, its serious altogether. So there is going to be a whole lot of social problems, they’re having. Around material support, around the counselling services that we talked about. So it’s really serious and as a ministry we continue to seek the involvement of maybe other partners who come on board. Like when Welthungerhilfe came they have been very useful. For the caregivers, they are just on voluntary service. But they also have their families. So we are also negotiating with agencies who can step in to see, maybe it is food for work, if they can just receive something like food stuff or whatever incentive, just to make them feel relaxed while they do the job. This are the basic things we are doing, we talk about, when we look at the psychosocial pillar in the Kailahun District.

Rene

Rene ist PhD Student und blogger. Er setzt sich fuer freies Wissen und freie Bildung ein. Dadurch ist er auf wikiversity, wikimedia commons und gelegentlich auf der Wikipedia aktiv. Er unterstuetzt Julia ihre Erfahrungen aus Sierra Leone zu verbreiten.

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Safe and dignified burials

Much is heard these days in Sierra Leone of so-called safe and dignified burials for Ebola victims. But what exactly is it?

First, which procedure was customary in Sierra Leone before Ebola? According to religious affiliation this may vary. The majority of people belong to the Islam, the second largest group are Christians. Common is that the farewell of deceased takes place within the family circle and includes the ceremony of washing the dead. The washing ceremony is perceived as an essential part of a proper burial.

At the beginning of the Ebola crisis, safety issues were taken radically more serious than the sentience of the local population. If Ebola patients died in treatment centers they were enfolded with two layers of plastic and buried quickly. The family was informed by phone after everything had been done. The relatives had no chance to see their loved ones. A traumatic experience.

By now this approach has been reconsidered. Notably the IFRC developed the concept of the safe and dignified burial and organizes burials in many parts of the country. After the death of a patient or if a person is found dead at home, s/he will be, unfortunately there is no other way, still be wrapped in two layers of plastic. But then follows a funeral rite in which a priest / Iman and the relatives can participate. There is a safety zone of 5m and the family will see the deceased only covered. But at least they can take part. The German website Gemeinsam für Afrika wrote the following about it:

Even a few months ago chaotic scenes took place in Sierra Leone on such occasions. Many relatives wanted their Ebola-dead not to be put into plastic bags and been taken away. Again and again the police came with tear gas. Meanwhile, the widespread education about Ebola via radio, street theater, house-to-house visits and poster campaigns shows more and more impact. People are increasingly willing to seek help. Auxiliary services such as grief assistants give them the opportunity to tie in traditions without putting themselves at risk. Information on this service are spread amongst others through the district administrations and their healthcare teams.

Nevertheless opinions are divided whether these are dignified burial conditions or not. There is a great social pressure in the communities: If a wife does not mourn loudly over her deceased husband or her deceased children, hugging and washing them, people may start talking bad about her. Grief must be publicly celebrated, if one does not want to lose his reputation as loyal family member.

Such deep-seated behaviors can not be changed overnight, no matter how long one appeals to sanity. Meanwhile, even the country’s president has called the population via television to suspend traditions and reintegrate them into everyday life not before the Ebola epidemic is gone. Unfortunately, I still hear almost on a daily basis of cases in which the dead were washed.

This article is a translation of Julias original article in German language.

Philippe

Philippe translates Julias articles to English language so that more people can have access to her reports and information.

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38°C Fieber ohne Ebola

In der Vorbereitungszeit in Deutschland haben ich und meine Kollegen noch Witze darüber gemacht, was eigentlich passiert, wenn man eine ordinäre Grippe bekommt während der Ebola-Zeit in Sierra Leone. Ich hatte dann die Ehre, das wesentlich schneller herauszufinden als mir lieb war.

Ich war keine zwei Wochen im Land, da fühle ich mich plötzlich schlapp. In der Nacht konnte ich kaum schlafen, mir war abwechselnd heiß und kalt, und schon vor dem allmorgendlichen Fieber-Messen war mir klar, dass ich krank bin. 38°C Ohrtemperatur. Und jetzt?! Es wird an jeder Ecke Fieber gemessen: Am Hoteleingang, am Büroeingang, an Straßensperren überall in der Stadt, in Restaurants. Zum Glück ist Sonntag und ich kann erst mal auf dem Hotelgelände bleiben.

Zum Glück gibt es eine ziemliche einfache Möglichkeit heraus zu finden, ob man „nur“ Erkältet ist oder ob es was Ernsteres ist: Paracetamol. Hilft es, sind Malaria und Ebola als Ursachen ausgeschlossen. Und es half. Ich war auch eigentlich nicht besonders besorgt, weil ich meinen Körper kenne und ich weiß, dass ich mich insbesondere bei Klimaanlagen sehr schnell erkälte. Trotzdem wird man natürlich unsicher. Juckt die Haut nicht vielleicht übermäßig? Kann Ebola nicht Ausschlag verursachen? Und was ist das, Zahnfleischbluten? Hört es wieder auf, oder ist das schon mehr als „normal“? Ganz cool bleibt da wahrscheinlich keiner.

Einen guten Rat haben wir in der Einarbeitung in Bonn bekommen: Auf jeden Fall Malaria-Prophylaxe nehmen. Die Symptome von Malaria und Ebola sind sehr ähnlich, und gerade Neuankömmlinge können sich oft noch nicht effektiv vor Mückensticken schützen. Ich persönlich habe mich für Lariam entschieden und bisher noch keine Nebenwirkungen bemerkt (Lariam ist bekannt für Psycho-Aktivität, Nebenerscheinungen von Alpträumen über Depressionen bis hin zu Suizidversuchen sind keine Seltenheit).

Mittlerweile ist meine Erkältung so gut wie weg. Aber wenn möglich möchte ich weitere Fieber-Zwischenfälle vermeiden. Toll war es nicht.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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Ebola Opfer sicher und würdevoll bestatten

Viel hört man dieser Tage in Sierra Leone von sogenannten „sicheren und würdevollen“ Bestattungen für Ebola-Opfer. Aber was genau verbirgt sich dahinter?

Zunächst einmal: Wie laufen Beerdigungen eigentlich normalerweise in Sierra Leone ab? Das ist natürlich je nach Religionszugehörigkeit unterschiedlich. Die Mehrzahl der Menschen gehört dem Islam an, die zweitgrößte Gruppe bilden Christen. Gemeinsam ist aber allen, dass die Verabschiedung von Verstorbenen im Familienkreis geschieht und das Waschen des Toten vorsieht. Dieses Waschen wird als wesentlicher Bestandteil einer würdevollen Bestattung wahrgenommen.

Zu Beginn der Ebola-Krise stellte man die Sicherheit radikal über die Befindlichkeiten der lokalen Bevölkerung. Starben Ebola-Kranke in Behandlungszentren, wurden sie direkt zwei Lagen Plastik verpackt und beerdigt – die Familie wurde telefonisch informiert, nachdem alles schon passiert war. Die Angehörigen hatten keine Chance mehr, ihre Lieben zu sehen. Eine traumatische Erfahrung.

Mittlerweile hat man hier nachgebessert. Vor allem IFRC hat das Konzept der „sicheren und würdevollen“ Bestattung entwickelt und führt diese Bestattungen in weiten Teilen des Landes durch. Stirbt ein Patient oder wird er tot vorgefunden, wird er, es geht leider nicht anders, ebenfalls in zwei Lagen Plastik verpackt. Dann aber findet eine Bestattung statt, bei der ein Priester / Iman und die Angehörigen anwesend sein dürfen. Sie müssen einen Sicherheitsabstand von 5m einhalten und sehen den Angehörigen auch nur, nachdem er schon verpackt wurde. Aber immerhin sind sie dabei, wenn er vergraben wird. Gemeinsam für Afrika schreibt dazu folgendes:

Noch vor ein paar Monaten kam es in Sierra Leone bei solchen Gelegenheiten zu chaotischen Szenen. Viele Verwandte wollten ihre Ebola-Toten nicht einfach in Plastiksäcke stecken und wegbringen lassen. Immer wieder kam die Polizei mit Tränengas. Inzwischen zeigt die flächendeckende Aufklärungsarbeit über Ebola via Radio, Straßentheater, Haus-zu-Haus-Besuchen und Plakatkampagnen mehr und mehr Wirkung. Die Menschen sind zunehmend bereit, sich helfen zu lassen. Hilfsangebote wie die Trauerhelfer geben ihnen die Möglichkeit, an ihre Traditionen anzuknüpfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Informationen über das Angebot werden unter anderem über die Distriktverwaltungen und deren Gesundheitsteams verbreitet.

Trotzdem gehen die Meinungen auseinander, ob es sich hier um eine „würdevolle“ Bestattung handelt. Es herrscht ein großer sozialer Druck in den Gemeinden: Wenn eine Ehefrau ihren verstorbenen Gatten oder ihre verstorbenen Kinder nicht lautstark betrauert, sie umarmt und wäscht, dann wird schlecht über sie geredet. Trauer muss öffentlich zelebriert werden, möchte man nicht seinen Ruf als treusorgendes Familienmitglied verlieren.

Solche tief sitzenden Verhaltensweisen lassen sich einfach nicht von heute auf morgen ändern, auch wenn man noch so lange an die Vernunft der Menschen appelliert. Mittlerweile hat sogar der Präsident des Landes per Fernseh-Ansprache dazu aufgerufen, die Traditionen ruhen zu lassen und erst nach der Ebola-Epidemie wieder in den Alltag zu integrieren. Leider kommen mir trotzdem auf nahezu täglicher Basis Fälle zu Ohren, in denen Tote gewaschen wurden.

Dieser Artikel ist auch auf Englisch verfügbar

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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