Archiv für den Monat: Dezember 2014

Your home is your prison

People within households with a confirmed Ebola case must not leave their house for 21 days. That is the Ebola incubation period. Only if no other household member becomes ill within 21 days, all will be able to breathe a sigh of relief.

I want you to imagine that. 21 days inside the house. Day and night. Together with the whole family, mostly confined space. The house is marked with a ribbon, this line must not passed by anyone, neither from inside, nor from outside.

  • What do you eat?
  • What do you drink?
  • How do you buy coffee, cigarettes, mobile top-up?
  • How do you get water to wash clothes?
  • Where do you get charcoal for cooking?
  • And most importantly – How can you earn your living?

photo by User:JuliaBroska [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
Local resident in quarantine.
By User:JuliaBroska [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
At the beginning of the Ebola epidemic it was the government’s strategy, to put entire villages under quarantine. The villages were completely sealed off from outside, but the villagers were able to move freely within the village. The result: An extremely high rate of infection within entire communities. A single case of Ebola could lead to the death of two-digit numbers of villagers. The Welthungerhilfe objected to it in the first place and campaigned for household quarantine. The advantage is that a small group of actual contact persons cannot infect a whole village. The disadvantage is that it is much more costly to identify and seal off individuals. Nevertheless, otherwise it will not work.

We bring a package of food, drinking water and hygiene products to each family in quarantine every week. Neighbours have an integral part in the success of the quarantine period as they have to care for everything else. Money and goods are put on the red line. Three meters back from the line is the safety gap for every interchange. Sometimes I wonder how that would work actually in Germany. Amazon would probably would make the deal of the millennium…

But people need more than just food and water. Humans are social beings. People need tasks and employment. People need solace after the loss of relatives. A perspective. Hope.

This article is a direct translation of the source article by Julia:
http://ebola-in-sierra-leone.de/quarantaene-nach-ebola-fall-21-tage-gefaengnis-im-eigenheim

Philippe

Philippe translates Julias articles to English language so that more people can have access to her reports and information.

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Was ist eigentlich das Problem?

Ich wünschte, auf diese Frage gäbe es eine einfache Antwort. Eine Antwort, die ich sowohl den Menschen in Deutschland geben könnte, die sich fragen, warum die Ebola Epidemie nun seit Monaten unbesiegt bleibt. Eine Antwort, die ich vor allem auch den Menschen in Sierra Leone geben könnte. Ein einfache Antwort, die sich in einem Satz vermitteln lässt.

Aber diese Antwort gibt es nicht. Das Problem ist zu vielschichtig. Eigentlich ist alles an der Kombination „Extreme Armut – Ebola – Westafrika“ ein Problem. Um nur ein paar Anhaltspunkte zu geben, hier mein Brainstorm:

Die Anzahl ausgebildeter sierra-leonischer Ärzte ist verschwindend gering (ich schätze sie auf weniger als 50 landesweit). Die hygienischen Bedingungen sind schlecht, viele Menschen teilen einfache Toiletten. Am Anfang haben die Menschen nicht der Regierung geglaubt, da das Verhältnis zwischen Regierung und Menschen schlecht ist, es gibt kein Vertrauen. Es sind zu wenige ausländische Ärzte bereit zu kommen. Die deutschen Medien stellen Ebola als unbeherrschbar dar, was falsch ist und nur Angst schürt. Sierra Leone ist auch für Malaria ein Hochrisiko-Land. Ebola hat anfangs die gleichen Symptome wie Malaria und wird deshalb oft geleugnet.  Lokale Bestattungsrituale sehen das Waschen von Toten vor, dabei steckt man sich leicht an. Die lokale Kultur ist überhaupt stark auf Körperkontakt bezogen, die Menschen stehen sich sehr nah. Man ist in Sierra Leone sehr gastfreundlich, Besucher werden niemals abgewiesen. Die Internationale Reaktion kam zu spät und zu langsam. Zu viele NGOs und UN Organisationen zirkeln um Koordination, während am Boden zu wenig passiert. Zu viele Ressourcen gehen in die Behandlung, anstatt sich vorrangig auf die Eindämmung der Ansteckung zu konzentrieren. Das Problem auch ist auch bei HIV bekannt, vgl. William Easterly,

„Wir retten die Welt zu Tode“

Außer Ebola gab es dieses Jahr leider noch eine Reihe anderer Katastrophen, so dass das mediale Interesse schnell wieder weg war.

Das ist, was mir nach einem Monat Arbeit in Sierra Leone in 5 min einfällt. Da stellt sich mal wieder die berechtigte Frage, was der Einzelne tun kann, ja, was eine einzelne NGO überhaupt machen kann.

Aber darauf gibt es zum Glück eine einfache Antwort: Verdammt viel.

Seit 4 Wochen arbeite ich jeden einzelnen Tag als Projektadministratorin für die Deutsche Welthungerhilfe in Freetown. Der administrative Aufwand für den Umsatz von Spenden und Drittmitteln, also Geldern von z.B. der deutschen Regierung, ist enorm.

Hilfsorganisationen bringen Lebensmittelpakete zu Familien die im Dorf John Obey in Sierra Leone von Ebola betroffen sind By User:JuliaBroska [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
Damit die lokalen Kräfte vor Ort Seife, Chlor, Aufklärungsmaterialien, Essens-Pakete für Haushalte in Quarantäne, verteilen können, müssen wir jeden einzelnen Schritt schriftlich erfassen. Jede Ausgabe muss belegt werden, jede Verteilung von Hilfsgütern dokumentiert. Wir starten gerade ein Projekt, in dem 33.000 Haushalts-Pakete verteilt werden. Das bedeutet 33.000 handsignierte Übergabeprotokolle. Am Ende muss alles zusammen passen: Es muss exakt das gekauft worden sein, was auch im Lagerhaus angekommen ist. Es muss exakt die Menge das Lagerhaus verlassen, die auch beim Haushalt ankommt. Manchmal frage ich mich, ob das Teil der Lösung oder Teil des Problems ist. Aber all das ist aus der Diskussion um accountability, um Nachprüfbarkeit der Entwicklungszusammenarbeit entstanden. Das ist aber eine andere Geschichte, von der ich ein anderes Mal erzählen werde.

Julia Broska

Julia arbeitet für die Welthungerhilfe im Projektmanagement in Sierra Leone. Sie beschreibt in diesem Blog ihre persönlichen Eindrücke. Ihre Meinung muss sich nicht mit der der Welthungerhilfe decken. Bevor Julia nach Sierra Leone kam war sie in Nord Korea im Einsatz. Sie schreibt auch Artikel für den offiziellen Blog der Welthungerhilfe

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